ICH

Reisebericht Ägypten 2009

15.07.2009: Einleitung / Anreise

Ich wollte schon immer mal nach Ägypten, um mir die Pyramiden anzuschauen und auch sonst ein bisschen Antike. Außerdem wollte ich außerhalb der bayrischen Ferien Urlaub nehmen und nicht erst bis zum September warten. Also habe ich mal kurz entschlossen beide Gedanken vereint - ohne dabei aber gründlicher nachzudenken, welche Konsequenzen das hat. Zugegeben, ich hätte stutzig werden können, als ich beim Reiseveranstalter las, dass die Reise ab September Zuschläge kostet - bin ich aber nicht. Erst so nach und nach realisierte ich, dass ich wohl im heißesten Sommer nach Ägypten fahren werde. Aber da musste ich dann durch!

Mit dem Zug ging's am Mittwoch, 15. Juli, gen München zum Flughafen. Die Fahrt verlief ohne Nennenswertes. Am Flughafen mussten wir, allerdings ohne über Hintergründe informiert zu werden, etwas länger auf den Abflug warten. Mit zweistündiger Verspätung ging's los nach Kairo. Da ich in Kairo ohnehin umsteigen musste, um weiter nach Hurghada zu fliegen, hat die Verspätung in München nur die Wartezeit am Kairoer Flughafen verkürzt.

Der vom Reisebüro avisierte Beauftragte, der uns in Kairo bei der Erledigung der Einreiseformalitäten und bei der Besorgung des Visums behilflich sein sollte, war nicht erschienen, stattdessen wurden wir wegen der grassierenden Schweinegrippe von Gesundheitsbeamten mit Mundschutz und Infrarot-Kamera empfangen (gut, dass ich meine Erkältung kurz vorher auskuriert hatte).

Das Ägypten-Visum für 15 US-Dollar musste ich mir selber kaufen. War gar nicht so leicht, denn ich bin davon ausgegangen, dass ich das Visum für den Gutschein aus meinen Reiseunterlagen erhalte und ein wenig irritiert herumgelaufen. Letztendlich habe ich das Visum in Euro bezahlen müssen und gleich meine ersten Ägyptischen Pfund als Wechselgeld erhalten. Außerdem habe ich 7 Euro gespart, denn die vom Reiseveranstalter als Visum-Gebühr berechneten 22 Euro hat er aufgrund dieser Umstände auch wieder ausgezahlt.

Dafür lief das mit dem Gepäck besser, denn entgegen der Informationen des Reiseveranstalters konnte das Gepäck gleich bis zum Zielflughafen durchgecheckt werden und musste nicht in Kairo aus- und wieder eingeladen werden. In Hurghada wurden wir von der örtlichen Reiseleitung empfangen und ins Hotel gebracht.

16.07.2009: Hurghada

Hurghada ist als Stadt aus meiner Sicht kein Reiseziel. Es gibt einen alten und einen neuen Stadtteil. Der neue besteht fast ausschließlich aus Hotels, Pensionen und Hotel- und Pensionsbaustellen. Im älteren Stadtteil gibt's dazu noch ein paar Clubs, Moscheen und Wohnhäuser. Außerdem ist die Shop-Dichte größer.

Am Donnerstag, 16. Juli, habe ich mir mal ein paar Meter der Hotelstraße angeschaut und bin gleich vor dem Hotel noch mit ein paar Straßenhändlern ins Gespräch gekommen. Ursprünglich hatte ich keinen schlechten Eindruck von denen - mal abgesehen davon, dass mir einer gleich an meinem ersten Tag für 170 Ägyptische Pfund zwei Papyrus-Kalender und ein Papyrus verkauft hat, was ich so gar nicht wollte. Egal, so war ich allerdings schon wieder das erste, von mir aus dem Automaten gezogene, Geld los (Hat übrigens wirklich tadel- und gebührenlos und zu einem guten Kurs mit der VISA-Karte der comdirect geklappt!).

Für den Abend lud mich einer der Händler ein, mir mit seinem Auto die Altstadt ein wenig zu zeigen. Bis dahin bin ich am Hotel noch mal ins warme Rote Meer gegangen. Leider gab's direkt vor dem Hotel kein Riff zum Schnorcheln.

Abends habe ich mich mit dem Straßenhändler getroffen. Aus irgendeinem fadenscheinigen Grund ging's dann plötzlich doch nicht mit seinem Auto, er hätte aber eins, das würde aber 100 Ägyptische Pfund kosten (umgerechnet gut 11 Euro). Naja, zwar ein bisschen teurer als eine Taxifahrt (die für 20 Ägyptische Pfund zu haben wäre) aber ich bekomme ja auch was gezeigt... Leider war dem nicht unbedingt so. Er zeigte mir den Shop eines seiner Kumpel, die beiden haben etwas miteinander gesprochen und sind später zu Mc Donalds gegangen. So habe ich wenigstens etwas von der Hauptstraße des Altstadtviertels bei Nacht gesehen.

Danach hat er mir seine Wohnung gezeigt, ich habe noch ein bisschen was zu trinken kaufen lassen (das ägyptische Bier ist absolut nicht empfehlenswert!) und wir haben uns dort noch etwas unterhalten.

Gegen 0:00 Uhr sind weitere Händler in der Wohnung erschienen, sie haben sich etwas zu Essen bereitet (hat mir überhaupt nicht geschmeckt). Und als ich dann so gegen 0:30 Uhr wieder zurückgebracht werden wollte, war auch mit dem Wagen was dazwischengekommen und ich musste mir ein Taxi nehmen. Na, das passiert mir nicht noch mal!

17.07.2009: Hurghada

Am Freitag, 17. Juli, habe ich erst mal schön ausgeschlafen und mich vorwiegend im Hotel aufgehalten. Für den Nachmittag habe ich für 15 Euro eine zweistündige Ausfahrt mit einem Glasboden-Schiff vereinbart. Zusammen mit einer vierköpfigen Familie und einem Holländer sind wir vom Hotelsteg aus ca. 30 Minuten bis zu einer Insel gefahren. Dabei ging's teilweise durch sehr flaches Wasser. Durch den Glasboden hat man schöne Riffe und viele bunte Fische gesehen. Dennoch ist's um ein Vielfaches besser, selber durch diese Fauna zu schwimmen. Dazu blieb ausreichend Zeit. Es gab viel zu sehen - klar, wenn man in einem riesigen Aquarium schwimmt.

Am Abend habe ich dann meine Seele noch ein bisschen baumeln lassen und einen kurzen Spaziergang am Strand unternommen. Dabei fällt auf, dass das Rote Meer dort gar nicht den typischen Meergeruch hat. Dafür gelingt es den Einheimischen, dem Meer einen eigenen Geruch von Diesel, Öl und Abgasen zu verpassen. Trotz des ständigen Lüftchens, das weht, liegt das Meer sehr ruhig und trotz dieses Lüftchens war's auch abends noch heiß, tagsüber in der Sonne fast unerträglich. Ich kann mir nicht vorstellen, wie's die Leute so den ganzen Tag am Strand aushalten.

18.07.2009: Hurghada

Den Samstag, 18. Juli, habe ich wie den Freitag verbracht, diesmal waren nur zwei weitere Fahrgäste an Bord des Glasbodenschiffs und wir sind direkt zum Schnorcheln gefahren, ohne vorher noch lange durch den Glasboden zu schauen.

19.07.2009: Hurghada

Eigentlich wollte ich am Sonntag, 19. Juli, noch einmal Schnorcheln. Leider aber ist es den Betreibern nicht gelungen, weitere Interessenten zu finden und für einen alleine wollte er dann doch nicht (jedenfalls nicht zu einem akzeptablen Preis) rausfahren.

Das Geschäft, so meinte er, liefe schlecht. Überwiegend waren Russen dort, die nur All inclusive genießen, am Strand liegen und abends Party haben wollten. Die sind für Bootsausflüge nicht zu gewinnen. So bin ich zumindest dazu gekommen, meine Urlaubskarten zu schreiben und konnte sie noch in Hurghada in die Post geben - dennoch waren sie bei meiner Ankunft noch nicht da :-(

20.07.2009: Fahrt nach Luxor / Karnak

Am Montag, 20. Juli, wurden wir 6:00 Uhr geweckt. Vier Erholungs-Urlaubstage waren vergangen, es stand der Erlebnis-Urlaub auf dem Programm. 8:00 Uhr startete der Bus, der uns durch das "Rote-Meer-Gebirge" und die östliche Wüste in gut 4 Stunden die ca. 280 km nach Luxor brachte. Bei dieser Fahrt fielen mir erstmals die zahlreichen Polizei-Kontrollstellen auf. Alle paar 100-m in den Städten bzw. Siedlungen wurde die Straße mit Gittern, Tonnen und ähnlichem Unrat verengt, entgegenkommende Fahrzeuge arrangierten sich mit dem Verkehr in unsere Richtung und die Polizei langweilte sich, während sie dem Treiben vor Ihrem Posten zusah.

Nach ca. 3 Stunden Fahrt hatten wir die Wüstenregion durchquert und gelangten ins fruchtbare und grüne Niltal. Fast den gesamten Rest des Weges hin nach Luxor fuhren wir entlang eines Kanals und sahen Felder, Palmen und wie das Wasser dem sonst so tristen Land Leben einzuhauchen vermag.

Unser Schiff, die Solaris 2, ist 72 m lang, 14 m breit und 11 m hoch. Sie hat einen Tiefgang von 1,8 m und in 74 Kabinen Platz für ca. 150 Passagiere. Sie wurde im Jahre 1997 gebaut. Nach dem Einchecken auf dem Schiff (die Kabine war schön, ein wenig feudal eingerichtet und verfügte sogar über einen kleinen Balkon, was nur wenige Nil-Kreuzfahrtschiffe vorzuweisen haben) gab's ein Mittagessen und unsere 18-köpfige Gruppe lernte sich durch die zugewiesenen Plätze erstmals in ihrer gesamten Größe kennen.

Über den Mittag kann man im Sommer in Ägypten nichts anstellen. So blieb Gelegenheit, den versäumten Schlaf nachzuholen und die Kabine, die ja für die kommenden sieben Tage das Zu-Hause sein würde, richtig zu beziehen.

Erst für den Nachmittag war ein Ausflug geplant. Er führte uns zum Tempel von Amun in Karnak. Hier wurde ich erstmals direkt mit der Antike konfrontiert - einfach beeindruckend! Bereits vor dem Eingang erwartet einen eine Widder-Sphingen-Allee. Obwohl am Tempel so um die 1.500 Jahre gebaut wurde, hat man es nicht geschafft, von der Rückseite des ersten Pylons eine Art Baugerüst aus Lehmziegeln zu entfernen. So ist ein Zeichen der Bautechnologie von vor mehreren tausend Jahren erhalten geblieben. Im Tempel erwarten einen zahlreiche Statuen, hieroglyphen-beschriebene Wände und Säulen mit Kapitellen, Obelisken, weitere Pylonen sowie der heilige See, an dessen Ufer auch ein großer Skarabäus auf einem Podest steht, der - so heißt es - zur Erfüllung verschiedener Wünsche mehrmals umrundet werden muss. Einige der Touristen taten's auch.

Zurück auf dem Schiff gab's auch fast schon Abendessen. Nach Sonnenuntergang haben wir uns ein wenig auf dem Sonnendeck aufgehalten. Beim Blick nach Luxor fielen die dicken Dieselschwaden auf, die über der Stadt liegen und deren Ursache die im Hafen liegenden Schiffe sind, die ihre Motoren laufen lassen. Kein Wunder also, dass Luxor so nach und nach die Schiffe in den Randbereich verbannt.

21.07.2009: Tal der Könige

Bereits um 5:00 Uhr wurden wir am Dienstag, 21. Juli, geweckt. Unser "Morgenspaziergang" führte uns ins Tal der Könige. Natürlich wurden wir mit dem Bus gefahren. Pünktlich zur Abfahrt 6:00 Uhr ging auch die Sonne auf. Der Bus musste vor dem Tal warten. Die Besucher werden das letzte Stück mit einer Elektrobahn gefahren. Die Eintrittskarten berechtigen zur Besichtigung dreier Grabkammern. Zuerst zeigte uns unser Reiseleiter das Grab Ramses IV. Im Inneren gab es prunkvolle Bemalungen in verhältnismäßig leuchtenden Farben und gut erhaltenen Reliefs zu sehen. In der anschließenden Freizeit konnten individuell weitere Gräber besichtigt werden, wobei besonders attraktive, darunter das von Tutanchamun und das von Ramses V und VI zusätzlichen Eintritt kosteten und daher von mir nur äußerlich besichtigt wurden. Ich habe mich zu dem von Thutmosis III (außen) hinauf und (innen wieder) hinab begeben. Man kann sich nicht vorstellen, wie diese Gräber entstanden und anschließend auch nutzbar gemacht wurden. Es muss sehr beschwerlich gewesen sein, schwere Sarkophage und all die Beigaben (die leider zumeist Grabräubern in die Hände fielen) in die Grabkammern zu bringen. Heute ist's nur wie Sauna in einer solchen Grabkammer. "Meine" dritte Grabkammer war die von Tausert & Setnakht.

Aus dem Tal der Könige sind wir zum Totentempel der Hatschepsut gefahren. Die Berge, die am Wege lagen, waren durchlöchert von zahlreichen Grabkammern. Die der Gruppe jeweils eingeräumte Zeit zur Besichtigung war an allen Haltepunkten ausreichend bemessen. Es blieb genügend Gelegenheit, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Auf dem Rückweg zum Schiff hielten wir noch kurz bei einer Alabaster-Manufaktur, in der uns auf eindrucksvolle Art und Weise (durch Zerstörung) das Gips- oder Zement-Innenleben einer Fälschung gezeigt wurde. Naja, gekauft habe ich mir keine solchen Staubfänger.

Abschließend legten wir bei den Kolossen von Memnos, zwei 18 m hohe Sitzfiguren, einen letzten Zwischenstopp ein.

Auf dem Schiff gab's anschließend Mittagessen und wir legten ab, fuhren den Nil flussaufwärts zunächst bis Esna, wo wir in einer Schleuse 7 m angehoben wurden. Da sich vor der Schleuse - eine Schleusung dauert ca. 25 Minuten - mehrere Schiffe in Wartestellung aufhielten, war auch recht geschäftiges Treiben zu beobachten. Händler auf kleinen Ruderbooten umkreisten die Kreuzfahrtschiffe und versuchten ihre Textilien an den Mann oder die Frau zu bringen. Dazu wurden sie lautstark angepriesen, anschließend in Tüten gepackt und an Bord geworfen. War man zufrieden hat man in einer anderen Tüte sein Geld zurückgeworfen, anderenfalls die Ware.

Ich habe mir das Treiben vom Balkon aus angesehen und mir bei dieser Gelegenheit für 6 Euro eine Galabia (das typische Gewand der Einheimischen - allerdings Touristenware) zugelegt, weil für den Abend des nächsten Tages eine entsprechende Veranstaltung geplant war. Nach der Schleusung setzte das Schiff seine Fahrt fort und erreichte spät abends den Zielhafen Edfu.

22.07.2009: Edfu / Kom Ombo

Am Mittwoch, 22. Juli, hieß es um 6:00 Uhr wecken. 7:00 Uhr startete der Bus zur Besichtigung des Horus-Tempels in Edfu. Dieser, dem Gott in Gestalt eines Falken geweihte, Tempel ist nach Angaben meines gedruckten Reiseführers das besterhaltene Heiligtum Ägyptens. Die Hieroglyphen an den Säulen und Wänden der Säulenhallen berichten von der Grundsteinlegung, dem Bau und der Einweihung des Tempels. All das und viel mehr erfuhren wir während der einstündigen Erläuterung durch unseren Reiseleiter. Anschließend hatten wir noch eine weitere Stunde Zeit, eigener Wege zu gehen und uns durch die Massen an Menschen in dem doch recht sehenswerten Tempel zu pressen, ehe es wieder zurück zum Schiff ging.

Mit dem Schiff ging's dann weiter nach Kom Ombo. Dort habe ich mein Outfit für den Abend noch durch ein Tuch für 22 Ägyptische Pfund vervollständigt. Es ist immer wieder eine bereichernde Erfahrung, mit den Händlern Geschäfte zu machen und ich denke, obwohl die nach einem Geschäftsabschluss immer so wehleidig tun, grinsen die sich im Inneren einen, dass die wieder einen Touristen über's Ohr gehauen haben. Aber was soll's? Wenn der Tourist auch der Meinung ist, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, ist doch beiden geholfen.

Außerdem habe ich noch 10 Dosen Softdrink "verhandelt". Motivation dabei war nur, die anderen zu unterbieten, die 50 Ägyptische Pfund dafür bezahlt haben. Was soll ich schreiben: Ich habe für 30 Ägyptische Pfund zugeschlagen. War aber ein hartes Stück Arbeit und leider gab's kein Bier zu kaufen.

Nach dem und bereits während des Abendessen/s, das Schiff war längst auf der Weiterfahrt nach Assuan, wurde der Galabia-Abend veranstaltet. Die Passagiere kamen in ihren Errungenschaften und man tanzte anschließend ein wenig zu einheimischer Musik. Naja, ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber so ist man wenigstens mal dazu gekommen, im Gewand der Einheimischen aufzutreten. Zugegeben, es trägt sich recht komfortabel.

Assuan erreichten wir kurz vor Mitternacht. Im Park vor der Anlegestelle herrschte noch weit bis nach Mitternacht reges, lautes Treiben. Selbst Kinder, die gerade in ihren dreimonatigen Sommerferien waren, waren mit von der Partie.

23.07.2009: Assuan

Auch am Donnerstag, 23. Juli, wurden wir um 6:00 Uhr geweckt. Auf dem Programm stand die Besichtigung eines Steinbruchs, in dem Obelisken gewonnen wurden. Unser Reiseleiter erläuterte uns die Technik zur Gewinnung der Obelisken: Nachdem eine geeignete Stelle im Fels ergründet wurde, wurden ca. 5 ... 6 m lange Löcher mit einem Durchmesser von ca. 90 cm senkrecht ausgehöhlt und an deren Fuß unter dem zukünftigen Obelisken (man weiß nicht wie) verbunden wurden. Auch der weitere Verlauf der Gewinnung ist mehr Rätsel als Klarheit. So wurden Hölzer mit Wasser aufgeweicht, um den Obelisken aus dem Gestein "herauszusprengen". Und anschließend? Da lag ein mehrere Tonnen schweres Stück Gestein. Es wurde über den Nil transportiert (und bis dahin?) und in einem ebenfalls recht komplizierten Verfahren an seinem Bestimmungsort aufgestellt. Nun ja, es war jedenfalls interessant anzusehen, wie da im Steinbruch ein noch unvollendeter aber riesiger Obelisk lag.

Nach dem Steinbruch ging's über den alten und neunen Nil-Staudamm. Der alte war einst dem Nil bzw. dessen Flut nicht mehr gewachsen und so wurde mit sowjetischer Hilfe in Sichtweite des alten ein neuer, größerer Damm stromaufwärts gebaut. An beiden wird heute (nach Angaben des Reiseleiters 80 % des Gesamtbedarfes) Strom erzeugt. Auf dem neuen hielten wir kurz an, um ein paar Fotos zu machen, über den alten sind wir nur drübergefahren, weil unterhalb dessen militärisches Sperrgebiet ist, das nicht fotografiert werden darf.

Den Abschluss des Vormittages bildete die Besichtigung des Verkaufsraumes einer Parfümerie. Uns wurden ein paar Essenzen präsentiert, deren (zumeist heilende oder helfende) Wirkung gegen dieses oder jenes Leiden erwähnt... Naja, ein paar Fläschchen Elixier wurden unter die Leute gebracht.

Am Nachmittag stand eine fakultative Stadtbesichtigung (15 Euro) in Assuan auf dem Programm. Begonnen haben wir mit einer Moschee, in der uns unser Reiseleiter etwas über den Islam bzw. Koran erzählte. Anschließend sind wir zu einem Basar gefahren, wo wir noch eine kurze Erläuterung über Gewürze erhielten. Safran war der Renner, das Gramm für umgerechnet 50 Cent. Ich selbst bin dann eher mit einem Textilhändler ins Gespräch gekommen und habe mir mal eine richtige Galabia zeigen lassen. Nachdem ich erst eine mit Manschetten sehen wollte, die er mir bringen ließ (weil nicht im Laden parat), ist mir eingefallen, dass eine mit Kragen ja noch schicker sein könnte. Auch die hatte er in seinem Laden unter all dem Touristen-Nepp nicht dabei. Aber er wusste eine zu besorgen. Allein schon die Verpackung war eine Augenweide. Leider blieb nur sehr wenig Zeit (die Zeit, sich wieder zu treffen rückte näher) und ich kann so was ja ohnehin nicht in Deutschland anziehen. Aber fragen kostet ja nichts. Und nun hatte der Händler Lunte gerochen. Er ließ nicht mehr locker, ich war aber auch nicht bereit, wirklich viel Geld bzw. einen angemessenen Preis zu bezahlen. Irgendwie ist das eine gute Konstellation, ein (zumindest vermeintliches) Schnäppchen zu machen. Und so hielt ich am Ende des Weges über den Basar zum vereinbarten Treffpunkt, den ich gemeinsam mit dem Händler feilschend zurücklegte, für 280 Ägyptische Pfund diese "Business-Galabia" in der Hand, ohne sie auch nur einmal ausgepackt oder gar anprobiert zu haben. Unser Reiseleiter erkannte bereits an der Verpackung, worum es sich handelte und blickte respektvoll. Erstaunlich: allein, weil der Händler eine ähnliche Statur wie ich hatte, passte die Galabia am Kragen, bei der Ärmel- und Gewandlänge sehr gut, wie sich nach der Rückkehr auf dem Schiff herausstellte.

Aber bevor wir zum Schiff zurückkehrten, kehrten wir noch in ein Restaurant ein und sahen gerade noch am Westufer des Nils die Sonne untergehen. Abends gab's auf dem Schiff noch einen nubischen Abend - wobei das meiner Meinung nach (mit einer Ausnahme) auch nur kommerzielle Maskerade war.

24.07.2009: Abu Simbel

Noch etwas früher als gewöhnlich, nämlich um 3:00 Uhr ging's am Freitag, 24. Juli, für diejenigen raus, die sich für die Besichtigung Abu Simbels entschlossen hatten. Für 85 Euro fakultativ dazu gebucht, gab's eine 3-stündige Fahrt im Buskonvoi durch die Wüste über ca. 280 km, 2,5 Stunden Besichtigung und eine Rückfahrt.

Aber der Reihe nach. Um 4:00 Uhr fuhr der Bus zum Konvoi-Treffpunkt, um 4:30 Uhr startete der Konvoi und wurde von Polizeifahrzeugen bis in die Wüste eskortiert. Unser schwach motorisierter Bus wurde noch in Assuan vom bis dahin letzten Bus überholt und verlor recht schnell den Anschluss. Lediglich einen liegen gebliebenen Bus und einen noch schwächer motorisierten Bus, der wohl weit vor uns gestartet sein musste, haben wir überholt. Auf der Fahrt konnten wir den Sonnenaufgang in der Wüste beobachten. Aber auch so ist eine Fahrt durch die Wüste, auch wenn's insgesamt wenig zu sehen gibt, auf ihre Art ein Erlebnis.

Weniger als 50 km vor der Grenze zum Sudan bogen wir zum Tempel ab und erreichten Abu Simbel pünktlich. Dort gab's vom Reiseleiter ein paar Erläuterungen und viel Zeit, dieses imposante und durch Ägypten mit Hilfe Amerikas und der UNESCO vor den Fluten des Nasser-Stausees gerettete Bauwerk zu besichtigen.

Die Anlage besteht aus zwei Tempeln, die heute 64 m höher und 180 m weiter landeinwärts liegen als ursprünglich. Von hinten übrigens sieht man deutlich, dass lediglich eine Fassade vor eine künstlich aufgeschüttete Stahlbeton-Kuppel gehängt wurde. Aber das tut nicht wirklich viel zur Sache.

Pünktlich 10:00 Uhr setzte sich der Konvoi wieder in Bewegung. Diesmal hatten wir einen zusätzlichen Passagier an Bord, es war ein bewaffneter Soldat. Außerdem gab's eine Fata Morgana zu sehen: Luftspiegelungen, die Wasser vortäuschten, aber nicht so spektakulär, als dass man Stadtsilhouetten hätte sehen können, eher vergleichbar mit Hitzeflimmern über Straßen.

Auf das Boot kehrten wir gerade rechtzeitig zum Mittagessen zurück. Danach galt es erst mal, verlorenen Schlaf nachzuholen. Am Nachmittag stand noch eine Feluken-Fahrt auf dem Programm - auch die wurde abschließend noch zu einer Verkaufsveranstaltung. Und bereits bei der Fahrt wurde unsere Feluke von einem Paddelboot "gekapert", in dem zwei Jungen saßen und irgendwelche Lieder sangen, um sich damit ein paar Dinge zu verdienen (und sei es nur, dass man gab, um sie loszuwerden).

25.07.2009: Assuan / Kom Ombo Tempel

Regelrecht ausschlafen konnten wir am Samstag, 25. Juli. Den Weckruf gab's "erst" 7:30 Uhr. Es stand aber auch nicht viel auf dem Programm. Diejenigen, die sich für einen weiteren fakultativen Ausflug entschieden hatten, besuchten für 17 Euro ein nubisches Dorf.

Ich selbst wollte mir zu meiner Busisness-Galabia noch ein passendes Tuch kaufen. Dazu bin ich noch mal zum Basar gelaufen, habe jenen Händler aber nicht gleich auf Anhieb getroffen. Stattdessen sprach mich ein anderer Händler an, sagte, er sei vom Schiff, hätte mal mein Zimmer hergerichtet und ob er was für mich tun könne. Wir kamen etwas ins Gespräch, er schenkte mir eine Gips-Pyramide und zwei Skarabäen und ich sagte ihm, warum ich noch mal zum Markt gekommen sei. Er bot mir seine Hilfe an, wollte aber einen "Pfand". Ich gab ihm 50 Ägyptische Pfund, was einerseits ungefähr meiner Vorstellung von dem entsprach, was ich für das Tuch ausgeben wollte, die ich andererseits aber auch wieder bekommen sollte, falls er nichts Passendes fände. In der Zwischenzeit hatte ich Gelegenheit, noch ein bisschen über den Basar zu schlendern.

In den Morgenstunden kaufen vorwiegend Einheimische Dinge des täglichen Bedarfs, bis dann gegen Mittag die Touristen einfallen und denen der übliche Plunder (Alabasterfiguren, Skarabäen, Pyramiden, Galabias, Wasserpfeifen usw.) angedreht werden soll.

Beim Schlendern über den Basar traf ich allerdings jenen Händler wieder, bei dem ich die Galabia gekauft hatte und wollte nun bei dem auch das Tuch kaufen. So bin ich zu dem anderen zurück, der nun (leider oder zum Glück?) doch noch was aufgetrieben hatte. Das eine war ein gerade so akzeptables Tuch, das andere war nur der Stoff (aber ein bisschen besser). Da ich mir aber nicht erst noch was nähen lassen und ohnehin beim anderen Händler kaufen wollte, bat ich, mir meinen Pfand zurück zu geben. Aber die tun sich schwer, einmal erhaltenes Geld wieder rauszurücken. Das hatte ich beim Kauf der Galabia schon gemerkt, denn so schnell konnte ich gar nicht gucken, da waren die "letzten" 200 Ägyptische Pfund aus meinem Portemonnaie schon in seinen Taschen verschwunden. Wenn's erst mal so weit ist und man keine absoluten Kaufabsichten hegt, dann braucht man nur um Herausgabe seines Geldes zu bitten und der Preis purzelt, purzelt und purzelt.

Naja, meinen Pfand habe ich nicht zurückerhalten. Musste noch 5 Ägyptische Pfund drauflegen und bekam das Tuch. Der andere Händler, der mir nun kein Tuch mehr verkaufen konnte (und mir stattdessen eines schenkte), meinte aber, der Preis sei okay. Mir würden jetzt nur noch Schuhe fehlen und er wüsste da schon was... Ende vom Lied: Auch Schuhe habe ich jetzt noch. Dafür und für einen Kopf-Ring (in den man das Tuch stecken kann) habe ich ihm 15 Euro und 70 Ägyptische Pfund gegeben.

Dann wurde es auch Zeit für mich, die Sonne stand schon ziemlich hoch. Ich nahm mir ein Taxi und ließ mich für meine "allerletzten" 5 Ägyptische Pfund zum Schiffsanlieger bringen (die Adresse hatte ich mir vorher an der Rezeption in Arabisch aufschreiben lassen).

Pünktlich nach dem Mittagessen um 14:30 Uhr legte das Schiff ab und begab sich nun mit der Strömung flussabwärts wieder auf den Rückweg. Wir stoppten noch einmal in Kom Ombo um dort den Tempel zu besichtigen. Da es mir an dem Tag nicht besonders gut ging und es außerdem recht heiß war, ließ ich es etwas ruhiger angehen. Behalten habe ich mir, dass in diesem Tempel die Feinde als Hohlköpfe dargestellt waren: Die hatten nichts im Kopf, waren sie doch so dumm, den König anzugreifen. Sie waren alle gefesselt dargestellt. Hatten schon Humor, die alten Ägypter.

Als wir bei unserer Rückkehr wieder aufs Schiff wollten, war das nicht mehr da. Wir hatten als viertes Schiff festgemacht, eines dazwischen musste wohl los und so mussten alle anderen auch erst mal ablegen. Blieb uns nichts anderes übrig, als am Ufer auf die Rückkehr zu warten. Dabei blieben wir nicht lange unter uns. Sofort waren wir umlagert von den fliegenden Händlern, die uns wieder Ansichtskarten, Skarabäen, Papyrus und all die anderen unnützen Dinge verkaufen wollten. Ich sah's eher als Belustigung, andere fühlten sich massiv gestört.

Am Abend gab's dann für die Passagiere, die in Assuan dazu gekommen waren den Galabia-Abend. Das war dann auch für mich Gelegenheit, meine Errungenschaft mal auszuführen. Trägt sich gut.

26.07.2009: Esna-Schleuse / Tempel von Karnak

Der Sonntag, 26. Juli, war ein ruhiger Tag ganz ohne Weckruf. Wir waren den ganzen Tag auf dem Nil unterwegs, wurden in Esna noch mal geschleust (diesmal ohne all die Händler, weil die Wartezeiten flussabwärts nicht so lang sind) und waren am Nachmittag in Luxor zurück.

Dort stand noch ein Ausflug zum Luxor-Tempel auf dem Programm und fast schon beim Verlassen des Tempels haben wir noch den Beginn der ca. 3 km langen Sphinxen-Allee gesehen, die einst bis zum Karnak-Tempel führte. Nach dem Abendessen bin ich dann auch mal auf dem Schiff dazu gekommen, einen Sonnenuntergang zu fotografieren - schon nett anzuschauen.

27.07.2009: Kairo / Pyramiden von Gizeh

So ruhig der Sonntag auch war, so zeitig ging's dann am Montag, 27. Juli, wieder weiter. Weckruf war um 4:45 Uhr. Dann hieß es Sachen fertig packen, etwas frühstücken und 6:00 Uhr startete der Bus zum Flughafen nach Luxor.

Die Maschine landete pünktlich in Kairo. Bereits beim Überflug war zu sehen, was für ein Moloch Kairo mit 18 Mio. Einwohnern ist. Die Stadtteile, die da zu sehen waren, sind schrecklich eng bebaut, unheimlich viel Verkehr in den Straßen, nicht wirklich sehenswert.

Auf den Bus, der wohl auch im Verkehr stecken geblieben war, mussten wir noch eine Weile warten. Die Zeit nutzte der Reiseleiter, um die Anmeldedaten für das Hotel zu erheben.

Als wir dann im Bus saßen, gab es gleich bei der ersten Tour einen Eindruck von den chaotischen Verkehrsverhältnissen in Kairo. Verwunderlich nur, dass in unserer Gegenwart nichts passiert ist. Den einzigen Unfall (bzw. das, was davon noch zu sehen war) haben wir in der Wüste auf der Fahrt von Hurghada nach Luxor gesehen. Da, wo eigentlich zu erwarten wäre, dass ständig etwas passiert, ist (glücklicherweise) nichts passiert.

Die Busfahrt sollte uns durch Kairos Stadtzentrum, vorbei an der Alabaster-Moschee von Mohammed Ali und über den Nil gleich zu den Pyramiden bringen. Für viele verwunderlich (für mich nicht mehr, da ich mir zumindest das in Google Earth mal betrachtet habe): die Pyramiden liegen fast schon in der Stadt. Gut, es ist Randlage, weiter weg dann doch nur Wüste und es gibt auch Bauauflagen. Aber das ändert nichts daran, dass man durch Häuserschluchten fährt und immer wieder die eine oder andere Pyramidenspitze sieht.

Wenn man dann allerdings erst mal bei den Pyramiden ist, ist Kairo auch nicht mehr zu sehen, denn es liegt unter einer mächtigen Dunstglocke. Unsere Reisegruppe hatte das Glück, zur rechten Zeit anzukommen und die, die es wollten, konnten für 100 Ägyptische Pfund eines der täglich zu bestimmten Zeiten ausgegebenen, limitierten Extra-Tickets zur Besichtigung des Inneren der Cheops-Pyramide erwerben. Da unser Reiseführer eher abgeraten hatte, habe ich verzichtet. Die, die drin waren, hatten auch nicht wirklich viel zu berichten. Ein niedriger Gang, runter, dann wieder hoch (oder war's umgekehrt?), am Ende eine leere Kammer und kein Foto erlaubt.

Während der Freund seiner Freundin im Inneren der Pyramide war, bin ich mit ihr ein wenig um die Cheops-Pyramide herumgeschlendert. Dabei wurden wir von einem Kameltreiber angesprochen. Ich hatte wohlweislich erst gar kein Geld mitgenommen und ihm das auch immer wieder zu verstehen gegeben (die sind nämlich ganz scharf auf Bakschisch). War nicht ganz leicht zu vermitteln, weil ich den großen Rucksack ihres Freundes trug, der damit in der Pyramide überhaupt nichts anfangen konnte. Aber der Kameltreiber ließ nicht locker. Erst drückte er mir seine Rute in die Hand. Dann bedeutete er mir, aufzusteigen. Ich sagte ihm nur immer wieder, dass es kein Bakschisch gäbe. Er ließ sich nicht beirren. Jetzt wollte er ihre Kamera haben, um ein Bild von mir zu machen. Dann sollte auch sie noch mit aufsteigen. Währenddessen meinte sein Kumpel, auch noch den Rucksack, den ich erst mal am Boden abgestellt hatte, aufs Kamel (eigentlich gibt's die in Ägypten ja gar nicht, denn es sind alles Dromedare) werfen zu müssen. Das wurde mir zu heikel und ich gebot ihm, den Rucksack doch bitte unten zu lassen, denn was, wenn er dann seinem Kamel ein Zeichen gibt und es aufspringt? Dann sind wir ihm ausgeliefert! Ne, ne, nich' mit mir! So ist's noch mal gut gegangen.

Anschließend sollten wir das Gleiche auch noch mal mit einem Pferd veranstalten. Und als ich dem Kleinen zu verstehen gab, dass ich bereits auf einem Kamel saß (was ich persönlich etwas höher als das mit dem Pferd einordne), meinte er mich belehren zu müssen, dass dies schließlich ein Pferd sei. Na, er hat's eingesehen, bat mich allerdings, von ihm noch ein Foto zu machen (wenn's weiter nichts ist) und hat dafür von ihr ein paar Pringles bekommen. Worüber sich Kinder noch freuen können...

Ihr Freund hatte nach seiner Rückkehr eine etwas brenzligere Situation zu überstehen. Der musste sich wohl sogar mit Gewalt dagegen wehren, auf ein Dromedar gesetzt zu werden und hat den dafür Verantwortlichen dann noch in den Händen der Polizei gesehen. Wobei da auch nicht sicher ist, inwieweit die gemeinsame Sache machen. Soviel zu den Erlebnissen um die Cheops-Pyramide.

Wir sind dann wieder in den Bus eingestiegen und um die Cheops-Pyramide zur Chephren-Pyramide (der zweitgrößten, aber - weil auf einem höheren Plateau gebaut - der am höchsten wirkenden Pyramide) gefahren. An ihrer Spitze ist noch erkennbar, dass die Pyramiden ursprünglich mal verkleidet und außen poliert gewesen sein mussten. Die Cheops-Pyramide trug sogar mal eine goldene Spitze.

Nachdem wir auch am Fuße der Chephren-Pyramide ein bisschen Freizeit hatten, ging's mit dem Bus weiter zum Panoramapunkt, einer Stelle, von der aus man schöne Bilder des Ensembles machen kann. Leider war es rundherum so hell, dass man kleinere Unzulänglichkeiten auf dem Display der Kamera nicht wirklich erkennen konnte. So sind meine Bilder nicht ganz perfekt - aber soll ich deshalb noch mal dahin fahren?

Die kleinste der drei Hauptpyramiden von Gizeh, die Mykerinos-Pyramide bekamen wir nur aus dem fahrenden Bus auf dem Weg zur Sphinx zu sehen. Die Sphinx bildete dann auch den Abschluss der Pyramidenbesichtigung.

Nachdem wir auch dort ausreichend Zeit zum Fotografieren und Herumspazieren hatten, ging's mit dem Bus noch mal in die Kairoer Innenstadt zum Khan-el-Khalili-Basar. Da sah ich erstmals auch vergleichbar gute Galabias, wie meine weiße aus Assuan. Und der Händler machte mir ein unverschämt günstiges Angebot, so günstig, dass ich erst mal misstrauisch wurde. Was wird das wohl für eine Masche? Er wollte nur wissen, wie viel ich davon haben wolle. Als ich ihm sagte, ich habe schon eine, meinte er, was ich denn sonst so bräuchte. Nach ein bisschen Smalltalk habe ich mich dann verabschiedet. Der Basar erstreckt sich entlang einer Straße in einem Viertel mit vielen engen Gassen, teilweise so eng, dass man nicht mehr weiß, ob man noch außen oder schon in einem Innenhof ist. Aber je tiefer man sich ins Getümmel stürzt, umso interessanter werden die Waren, umso weniger Nippes bieten die an, umso authentischer wird's. Und alle wollen mir ihren Laden zeigen, mir was verkaufen. Ich aber hatte eine gute Ausrede parat: Ich bin schon zwei Wochen unterwegs, habe schon alles und außerdem gerade mit dem Flugzeug angekommen und mein Koffer hat bereits Übergewicht. Dann lassen die auch von einem ab.

Zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Treffpunkt hatten sich nicht mehr alle aus der Gruppe eingefunden. Einige sind auf eigene Faust noch ein bisschen in Kairo geblieben. Ich aber bin mit dem Bus ins Hotel gefahren und habe den Tag erst mal ein bisschen Revue passieren lassen. ICH HABE DIE PYRAMIDEN GESEHEN!!!!!!!!!! Das ist doch was!

28.07.2009: Memphis / Saqqara / Kairo

Der Dienstag, 28. Juli, war der letzte 24-h-Urlaubstag, er stand denen, die den fakultativen Ausflug zur Alabaster-Moschee und ins Ägyptische Museum nicht mitmachen wollten, zur freien Verfügung. Gemeinsam mit den beiden, die ich schon bei den Pyramiden einer ausführlicheren Erwähnung bedachte, haben wir unser eigenes Programm gemacht. Dazu habe ich uns morgens im Hotel ein Taxi verhandelt: 300 Ägyptische Pfund für ca. 9 Stunden fanden wir angemessen und wir verabredeten uns für 9:15 Uhr, also nach dem Frühstück.

Der Taxifahrer wartete schon auf uns. Den vereinbarten Fahrpreis verwahrten wir in einem Couvert und hinterlegten ihn an der Hotelrezeption. Das erklärten wir auch dem Taxifahrer und konnten so sicher sein, dass wir auch wieder zurückgebracht werden - eine Vorsichtsmaßnahme, die - wie sich herausstellte - nicht nötig gewesen wäre.

Wir sagten dem Taxifahrer kurz, was wir uns für die kommenden Stunden vorstellten, er optimierte die Route ein wenig und fuhr uns zunächst nach Memphis, der Hauptstadt des alten Reiches. Neben einer liegenden Ramses-Statue gab es auch hier eine Sphinx zu sehen, aus Alabaster zwar, aber nicht so groß, wie die von Gizeh.

Anschließend fuhren wir weiter nach Saqqara. Saqqara ist sozuschreiben der Friedhof von Memphis. Hauptattraktion hier ist die Stufenpyramide des Djoser. Sie ist die älteste Pyramide Ägyptens. Bevor wir die besichtigten, statteten wir dem erst 2006: eröffneten Imothep-Museum gleich am Eingang einen Besuch ab. Imothep - Baumeister der Stufenpyramide - war damit der Erste, der die Idee zum Pyramidenbau verwirklichte. Anschließend fuhr uns unser Taxi zur Stufenpyramide, die gerade einigen Schönheitsoperationen unterzogen wurde. Es sind beeindruckende Bauwerke. In eines davon, die Pyramide des Teti, konnten wir dann sogar ohne Extra-Eintritt hinein. Von außen eher unscheinbar, übertraf sie von innen sogar die Cheops-Pyramide, wie er, der am Vortag die Cheopspyramide von innen besichtigte, bestätigte. Ein niedriger Gang (man konnte nur gebückt gehen) führte in die Grabkammer mit Sarkophag hinab. An den Wänden waren Hieroglyphen zu sehen, an der Decke ein Sternenhimmel. Und wir waren die einzigen da unten. Da konnte ich nicht widerstehen, ich musste (trotz Verbot) ein Foto machen. Eine schöne Erinnerung.

Anschließend fuhr uns unser Taxifahrer in die Innenstadt. Die Alabaster-Moschee wollten wir lediglich von außen sehen, ohne dafür Eintritt für die Zitadelle zu zahlen. Das Taxi fuhr uns zu einem Platz, von dem aus wir sowohl die Alabaster-Moschee als auch die Sultan-Hassan- und die Er-Rifa'i-Moschee anschauen und fotografieren konnten. Während wir außen fotografierten, drehte unser Taxi Runden um den Platz.

Danach ließen wir uns zum Ägyptischen Museum fahren und vereinbarten ca. 2 Stunden später einen "missed call" als Zeichen, dass wir vom Taxifahrer wieder abgeholt werden wollten. Erwartungsgemäß gab's einen großen Ansturm am Museum. Busse kippten reihenweise ihre Fahrgäste aus. Als wir endlich fast drin waren, wurden wir wieder hinausgeschickt und mussten unsere Kameras abgeben. Wenn's Kamera-Handys gewesen wären, wäre das wohl nicht so schlimm gewesen, denn die wurden trotz Fotoverbotes zahlreich genutzt.

Im Ägyptischen Museum liegen unermessliche Schätze. Sie sind allerdings sehr, sehr lieblos präsentiert. Es bedarf dringend einer Überarbeitung der Ausstellung. Und die ist auch angedacht, allerdings wird das noch eine Weile dauern, bis bei den Pyramiden ein angemessener Neubau entstanden ist.

Sehenswert im Museum allemal der Grabschatz des Tutanchamun. Was in diesem Grab alles gefunden wurde - einfach unbeschreiblich. So viel Gold, Prunk in Größe und Anzahl. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben. Außerdem habe ich glücklicherweise auch noch den Rosetta-Stein entdeckt, mit dessen Hilfe die Entschlüsselung der Hieroglyphen gelang. Zudem erwähnenswert die sitzenden Statuen von Rahotep und Nofretete sowie zahlreiche Sarkophage, Statuen und Tiermumien (menschliche Mumien sind in einem Extra-Saal gegen Extra-Eintritt zu besichtigen). Zwei Stunden sind bei weitem nicht genug. Aber da wir noch ein weiteres Ziel auf dem Plan hatten, ließen wir uns wieder abholen.

Jetzt sollte's zunächst eine kleine Stärkung für meine Begleiter geben. Der Taxifahrer brachte sie zu einem ägyptischen Imbiss und drehte wieder seine Runden. Drei musste er drehen, bis sie mit etwas Essbarem wieder vor der Türe standen. Gar nicht so leicht bei dem Verkehr und der Hitze.

Letzter Programmpunkt war dann eine Shoppingmall, die jedoch nicht unbedingt erwähnenswert ist. Gegen 18:00 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel. Ein schöner Tag, ein insgesamt schöner aber auch anstrengender Urlaub lag hinter uns. Jetzt nur noch Sachen packen, etwas frisch machen und dem Abflug entgegensehen. Der, wie auch meine gesamte Rückreise bis Bayreuth verliefen planmäßig.

Fazit

Es war ein interessanter, abwechslungsreicher und gut organisierter Urlaub, den ich so empfehlen kann aber jetzt, wo ich all das gesehen habe, nicht unbedingt noch einmal machen müsste.

© 2009 by A. Klemm
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