ICH

Reisebericht Kuba 2016

Sa. 11.06.2016: Anreise nach Havanna

Der erste Urlaubstag steht ganz im Zeichen der Anreise. Pünktlich werde ich 07:30 Uhr MESZ in Dresden zum Flughafen gebracht, pünktlich geht der Flieger nach Zürich, schnell vergeht der gut einstündige Flug und dank Free WiFi auch der zweistündige Aufenthalt am Züricher Flughafen. Der Flug nach Havanna verzögert sich aufgrund schlechten Wetters leicht, verläuft aber außerordentlich ruhig. Nach weiteren ca. 11 Stunden Flug landet die Maschine pünktlich in Havanna und man wird beim Aussteigen von der feucht-schwülen Klimakeule voll erwischt. Die Einreise verläuft recht reibungslos - nur eben mit den üblichen Wartezeiten (wenn schon mal ein großer und gut gebuchter Flieger ankommt). Auch das Gepäck ist wohlbehalten angekommen und der Reiseleiter wartet am Ausgang. Er zeigt mir noch, wo Euro in die konvertierbare Landeswährung zu tauschen ist - gemächlich geht auch das voran und der Busfahrer bringt uns dann in ca. 15 Minuten vom Flughafen nach Havanna ins Hotel. Auch das Einchecken verläuft gemächlich. So gegen 0:30 Uhr MESZ, also nach gut 16,5 Stunden Reisezeit, kann man davon sprechen, endlich angekommen zu sein. Noch ein kurzer Spaziergang vom Hotel zur Atlantikküste. Beim Verlassen des Hotels fällt auf, dass die Luft, außer, dass sie sehr feucht ist, auch noch sehr mit den Abgasen der vielen alten Autos geschwängert ist. Es wird schnell dunkel und das Jetlag hilft dabei, verhältnismäßig früh zu Bett zu gehen.

So. 12.06.2016: Havanna

Das Hotel ist recht hellhörig, die Straße laut und das Jetlag noch nicht ganz verwunden, so dass ich schon recht zeitig aufgewacht bin - nicht so schlimm. Bleibt Zeit, ein wenig zu lesen und die Eindrücke des gestrigen Tages zu verarbeiten. Mittlerweile hat sich auch herausgestellt, dass wir die kommenden drei Wochen in einer vierköpfigen Reisegruppe mit einem Guide und einem Fahrer unterwegs sein werden.

Das Frühstück im Hotel kann sich essen lassen und so geht es gut gesättigt in den Tag. Der Minibus erwartet uns und bringt uns zunächst direkt zum Rum Museum des Havanna Clubs, wo allerdings nur ein Termin für eine deutschsprachige Führung vereinbart wird. Bis dahin bleiben uns 2 Stunden, die wir zu Fuß im 1982 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannten historischen Stadtzentrum Havannas, Habana Vieja, verbringen. Und auch wenn man stets bemüht ist, nur die guten Eindrücke zu behalten, die es zweifellos gibt, kann man die Augen nicht ganz vor den vielen verfallenen, einst sehr ansehnlichen Häusern verschließen. Es blutet einem das Herz, wenn man solch schöne Bausubstanz verfallen sieht.

Die Führung durch das Rum Museum brachte wenig Neues. Die Herstellung diverser Spirituosen ähnelt sich doch im Grunde, nur dass beim Rum das Zuckerrohr, genauer die daraus gewonnene Melasse der zusammen mit Hefe vergorene Grundstoff ist: mehrfache Destillation, Reifung, Verblendung und Verdünnung und ab damit in Flaschen. Leider nur ist das Merchandising-Angebot eher beschränkt.

Anschließend blieb noch ein wenig Freizeit, weitere Sehenswürdigkeiten Havannas zu Fuß zu besichtigen. Und auch wenn der Reiseleiter geduldig ein ums andere Gebäude erklärt, es bleibt wenig in Erinnerung, vielleicht das teilweise eingerüstete Capitol, das doch sehr an jenes in Washington erinnert und, wenn es fertig ist, das heutige Parlamentsgebäude ablösen soll. Ganz in der Nähe, wie bei anderen Sehenswürdigkeiten auch, stehen schön aufgereiht die für Kuba - oder sollte ich schreiben "für Havanna"; es wird sich noch herausstellen - so typischen Oldtimer für Touristen-Taxifahrten bereit.

Nach einer kurzen Mittagspause fährt uns der Minibus noch durch das moderne Havanna mit zahlreichen Ministerien und dem Platz der Revolution, auf dem Fidel Castro mal eine mehr als 8-stündige Rede gehalten haben soll - Weltrekord. Gerade rechtzeitig zum Anpfiff des ersten EM-Spiels der Deutschen kehren wir ins Hotel zurück, haben die zwei Stunden, das Spiel anzusehen und fahren gegen 19:00 Uhr noch mal ins historischen Havanna, um gemeinsam etwas zum Abend zu essen und noch ein wenig zu schlendern.

Mo. 13.06.2016: Havanna - Soroa (ca. 85 km)

Die Nacht im Hotel war schon ein wenig besser, als die vorherige. Aber ich sollte mich nicht allzu sehr an diesen Standard gewöhnen, denn heute brechen wir nach dem Frühstück zu unserer Rundreise auf. Havanna verlassen wir bei strömenden Regen. Wir passieren die Außenbezirke Havannas mit Botschaften verschiedener Länder, darunter die mit Abstand hässlichste, die die Botschaft Russlands ist. Nach gut 50 km Fahrt erreichen wir Las Terrazas. In der Vergangenheit muss es hier wohl mal terrassenartig angelegte Hänge gegeben haben. Heute erinnert in der Vorzeige-Gemeinde nichts mehr daran. Heute dient dieses Fleckchen Erde, immerhin ein 25.000 Hektar großes, von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärtes Fleckchen, der Erholung und der Dokumentation der Kaffee-Produktion. Und weil noch Zeit bleibt, geht es noch kurz auf einen nahe gelegenen Berg, der eine schöne Aussicht auf Las Terrazas bietet - zwar bei mehr als 35 schwülen °C im Schatten kein wirkliches Vergnügen, aber die Mühe allemal wert. Die Nacht verbringen wir in einem recht eigenwilligen, mitten im Wald gelegenen Hotel, in dem jeder bzw. jedes Paar einen eigenen Bungalow zugewiesen bekommt. Aber bitte nicht zu viel erwarten. Er ist innen heiß, klein und etwas abgewohnt. Bin gespannt, wie die Nacht wird. Aber vorher werden wir uns noch etwas zum Abendessen suchen, denn das ist nicht mit dabei.

Die. 14.06.2016: Soroa - Viñales (ca. 110 km)

Der heutige Tag begann etwas zeitiger, es stand viel auf dem Plan. Wir begannen kurz nach dem Frühstück mit einem Rundgang durch einen Orchideengarten - hätten wir gewusst, wie nah er liegt, wären wir hingelaufen. Die üppige Vegetation ist beeindruckend und die Größe der Pflanzen, die wir aus Europa nur wesentlich kleiner kennen. Nach dem Orchideengarten ging's weiter zu einer Zigarrenfabrik. Leider war fotografieren verboten. Dennoch war es nett anzusehen. Die Dreher, überwiegend Dreherinnen, drehen an einem 8-stündigen Arbeitstag bis zu 150 Zigarren. Interessant, wie sie die unterschiedlichen Lagen des bis zu 5 Jahren getrockneten Tabaks in Form bringen - bis hin zum Deckblatt. Nach dem Drehen werden die Zigarren noch gepresst, verpackt und verkauft. Ein paar Minuten im Auto weiter gab's dann noch einen Tabak-Trockenschuppen zu sehen und einen einsamen Dreher, den man wenigstens bei der Arbeit fotografieren konnte. Ein kurzer Abstecher führte uns danach zu einem Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick über das Viñales-Tal. Man kann praktisch nicht genug davon bekommen. Kommt man ohne konkrete Erwartungen nach Kuba, sind es solche Landschaften, die einen überwältigen. Anschließend ging es weiter nach, wir passierten Viñales, eine kleine Ortschaft, wunderschön gelegen zwischen weiten Feldern und den für die Region typischen Kalksteinfelsen, den Mogotes. Wir besuchten die Cueva del Indio, eine Karsthöhle, die man zu Fuß betritt und über einen angestauten Bach im Motorboot wieder verlässt. Die Übernachtung wird nun noch abenteuerlicher, wir sind in einer Privatunterkunft abgestiegen, sehr schlicht und man darf gespannt sein, wie die Nacht wird...

Mi. 15.06.2016: Tagesausflug Cayo Jutías (2 x ca. 55 km)

Nun, die Nacht war so einigermaßen, etwas geräuschvoll, daher nicht sonderlich erholsam. Aber das Tagesprogramm las sich auch recht nach Urlaub, wie er gemeinhin erwartet wird: Es stand ein Tagesausflug auf die ca. 50 km entfernt gelegene Insel Cayo Jutias auf dem Programm. Wegen der schlechten Straßen benötigten Wir gut 90 Minuten für die Fahrt. Auf der Insel angekommen, hielten wir kurz für ein Foto vom Leuchtturm. Anschließend blieb viel Zeit, die Seele baumeln zu lassen, am Strand zu entspannen und ein wenig in den glasklaren, sehr warmen Fluten des Atlantiks zu baden. Wer mich kennt, weiß, dass mir nicht unbedingt der Sinn danach steht. Aber noch habe ich kurzweilige Urlaubslektüre und wenn die nicht hilft, gibt's einen kühlen Mojito - typisch Kuba!

Do. 16.06.2016: Viñales - Cayo Levisa (ca. 50 km)

Wir verbringen gerade den Badeurlaubs- Teil unserer Kuba-Rundreise. Logisch, dass solche Angebote in der Karibik nicht fehlen dürfen - allein, ich hätte das nicht gebraucht. Aber der Reihe nach. Um das Boot zu erreichen, das zweimal am Tag zur Insel Levisa übersetzt, mussten wir wieder etwas früher starten. Während der Überfahrt - unsere Reiseleitung setzt nicht mit über - wurden wir von einem heftigen Schauer überrascht, gut, dass wir im recht offenen Boot doch ein Dach über dem Kopf hatten. Und gut, dass sich die Wolken nicht unmittelbar nach dem Regen verzogen, so konnte ich auf der Insel wenigstens noch mal in die Fluten springen, ein paar Züge schwimmen. Haben sich die Wolken verzogen, brennt die Sonne unerträglich heiß, so dass ich mich, bis wir die Zimmer beziehen konnten, in die Rezeption des Hotels verzog und etwas gelesen habe. Kurz vor dem Anpfiff des zweiten Deutschland-Spieles konnte ich ins Zimmer, genauer geschrieben handelt es sich um kleine oder größere Bungalows direkt am Meer, aus denen die Hotelanlage besteht. So ist das "Hotel" dann auch recht weitläufig. Wer Badeurlaub mag, dem würde es hier gefallen: keine Straßen, kein Verkehr, nur das Brummen der Klimaanlagen und des Strom-Generators, kein Massentourismus, obwohl sich das Hotel immer weiter ausbreitet, weißer Sandstrand und dazu ein paar Tagesgäste. Mehr aber gibt es nicht zu berichten von dieser scheinbar den internationalen Touristen vorbehaltenen Insel.

Fr. 17.06.2016: Cayo Levisa - Cienfuegos (ca. 400 km)

Wider Erwarten war die Nacht erträglich. Nach Frühstück und Check-Out brachte uns die Fähre wieder zum Festland - wenn man das auf einer einzigen großen Insel, umgeben von zahlreichen kleineren Inseln mal so schreiben darf. Der Rest des Tages bestand aus der Fahrt nach Santa Clara und weiter nach Cienfuegos. In Santa Clara besuchten wir das Museum und Monument der Erinnerung an den Kommandanten Ernesto Che Guevara, das seit 1997 auch das Mausoleum des gebürtigen Argentiniers beherbergt. Verhältnismäßig spät erreichten wir Cienfuegos. Dennoch blieb Zeit für einen kurzen Rundgang durch die Stadt, die mit einem französischen Flair - so die Reisebeschreibung - zu den hübschesten und lebhaftesten Städten der Insel zählt. Cienfuegos, genannt "Die Perle des Südens", erfreut sich einer Architektur des späten neoklassizistischen Stils. Die Stadt wurde 1819 von französischen Siedlern gegründet und hat Ihre Klarheit seit der Gründung erhalten. Die architektonischen Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich weitgehend auf das restaurierte koloniale Zentrum. Schon beim Blick in Seitengassen fällt auf, dass viele Perlen dem Verfall preisgegeben sind. Uns wurden einige der berühmten Sehenswürdigkeiten Kubas gezeigt, darunter das 100-jährige Theater "Tomas Terry" und der neukoloniale Stadtkern, um nur zwei zu nennen. Außerdem gibt es in Cienfuegos allenthalben Andenken an den berühmtesten Sänger Kubas, Benny Morey, der hier geboren wurde und lebte.

Sa. 18.06.2016: Cienfuegos - Trinidad (ca. 85 km)

Nach dem hervorragenden Frühstücksbuffet im Hotel Jagua brachen wir Richtung Trinidad de Kuba auf, unterbrachen die Fahrt allerdings bereits nach 15 km, um einen kurzen Spaziergang durch den botanischen Garten von Cienfuegos zu unternehmen. Von den mehr als 90 Hektar des Gartens wurden uns auf einem Fußweg von wenigen 100 Metern zahlreiche einheimische und importierte Pflanzen gezeigt, darunter die Königspalme, der Nationalbaum Kubas, riesige Elefantenfußbäume und Bambusgewächse aber auch einige Pflanzen, die durch ihre Blütenpracht beeindruckten. Nach weiteren ca. 70 km Fahrt erreichten wir Trinidad, ein recht rühriges Städtchen mit Musik im Blut. Allenthalben Straßenmusikanten, Bars, Galerien und Trödler, die allerdings den allseits üblichen Plunder verkaufen. Die Architektur in Trinidad ist recht einfach, keine hohen Häuser, maximal eine zweite Etage, ggf. das Dach noch als Bar gestaltet reihen sich entlang mittelalterlich gepflasterter Straßen. Im Stadtzentrum eine Kirche und ein palastartiger Bau, der heute ein Museum beherbergt. Wenn abends die Sonne verschwindet, kann man es aushalten. Dann entfaltet Trinidad ein ganz besonderes Flair.

So. 19.06.2016: Trinidad: Topes de Collantes

Heute fuhren wir für eine kurze Wanderung ins Escambray-Gebirge. Entlang eines Flusslaufes ging es im Nationalpark Topes de Collantes zu einem natürlichen Bassin, gespeist von einem Wasserfall. Auf Empfehlung der Reiseleitung hatten wir die Badesachen eingepackt und es blieb eine Stunde, im schattigen Süßwasserpool zu baden, eine wirklich schöne Stunde!

Mo. 20.06.2016: Trinidad: Playa Ancon

Wieder ein Strandtag... Diesmal am "traumhaften Strand von Ancon". So traumhaft aber war der Strand dann doch nicht, denn es gab nicht den erwarteten Sand, sondern eher harten Untergrund, vermutlich korallischen Ursprungs. Und abgesehen davon ist die Küste hier sehr weit ins Meer hinein sehr flach. Abends aber gab es noch ein paar Mojitos und natürlich musste auch mal eine von den Zigarren (ohne Banderole) probiert werden, die ich nur wenige Stunden vorher in einem zufällig entdeckten Laden erworben habe - eine davon wurde vor meinen Augen fertig gestellt. Das hat schon ein besonderes Flair.

Die. 21.06.2016: Trinidad - Camagüey (ca. 260 km)

Erneut steht eine lange Fahrt auf dem Programm, gleich kurz nach dem Start bereits vom ersten Stopp unterbrochen. Beim Durchqueren des Valle de los Ingenios (Tal der Zuckermühlen), hielten wir an dem Sklaventurm Torre de Iznaga, auch als Sklaventurm bekannt. Er diente der Beaufsichtigung der Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern. Der siebenstöckige und 50 Meter hohe Glockenturm wurde von der Farmerfamilie Iznaga im Jahr 1816 erbaut. Die Sklaven wurden von der Turmglocke zur Arbeit gerufen und sie wurden auch von hier aus überwacht. Heute gilt der Turm als Mahnmal. Wir haben den Turm bestiegen und hatten von oben einen weiten Ausblick über das Tal der Zuckermühlen. Anschließend statteten wir noch dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Iznaga einen kurzen Besuch ab und mit nur einem weiteren Stopp - gerade lang genug, um die ersten Minuten des letzten EM-Vorrundenspieles mit deutscher Beteiligung zu sehen - ging es bis nach Camagüey, wo wir bereits von Bici-Taxis (Fahrrad-Taxis) erwartet wurden, mit denen wir zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gebracht wurden. Mittlerweile jedoch stellt sich ein gewisses Sättigungsgefühl ein. Im Grunde erwartet uns in jeder Stadt dasselbe: verfallende, einstmals sehr schöne Häuser, die Unterkünfte, kleine Bars oder Galerien beherbergen, entlang maroder Straßen, auf denen - die fehlen nun leider im Stadtzentrum Camagüeys, in dem wir untergebracht sind - die alten amerikanischen Straßenkreuzer die Luft verpesten. Die ganz großen Überraschungen und Highlights bleiben aus.

Mi. 22.06.2016: Camagüey - Sierra Maestra (ca. 275 km)

Der Tag beginnt ob der uns bevorstehenden, weiten Reise wieder recht zeitig. Unterwegs steht die Besichtigung des beschaulichen Städtchens Bayamo auf dem Programm. Dort war wohl die Wiege der kubanischen Nationalhymne, jedenfalls erinnert ein Platz daran und die Bettler intonieren etwas in der Art, bevor sie ihre Hände aufhalten. Nach einer Stadtführung setzen wir die Fahrt in die Sierra Maestra fort. Die Sierra Maestra, das Hauptgebirge, ist ein Gebirgszug im Osten Kubas, im Süden steil abfallend zum Karibischen Meer. Hier befindet sich auch mit 1.974 m ü. NN die höchste Erhebung Kubas, der Pico Turquino. Die Sierra Maestra ist zudem die Wiege der kubanischen Revolution. Zahlreiche Stützpunkte verstecken sich hier und die Revolution soll hier noch in der Luft liegen - heißt es.

Do. 23.06.2016: Sierra Maestra

Für den Tag steht eine kleinere Wanderung auf dem Programm. Ein lokaler Wanderführer holt uns am Hotel ab und geleitet uns durch recht ursprüngliches Gelände. Er führt uns sogar in Privathäuser, die sich vereinzelt in den Bergen finden. Wir haben Gelegenheit, die traumhafte Atmosphäre der Sierra Maestra recht authentisch zu genießen. Inmitten dieser herrlichen Natur liegt unser Berghotel "El Salton", das uns ein Mittagessen bereitet hat. Für den Nachmittag haben wir noch einen gut einstündigen Ausritt gebucht. Naja, war ganz nett, die Umgebung so la-la. Aber dass nun das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde liegt, dem kann ich nun nicht mehr unbedingt beipflichten.

Fr. 24.06.2016: Sierra Maestra - Santiago de Kuba (ca. 90 km)

Wir lassen die Berglandschaften der Sierra Maestra hinter uns und brechen nach Santiago de Kuba, der heimlichen Hauptstadt des Landes, auf. Auf dem Weg nach Santiago halten wir allerdings noch an der Wallfahrtskirche El Cobre. Im Mittelpunkt der Kirche steht eine kleine Heiligenfigur, die der Legende nach im Jahre 1612 von drei Jägern in der Bucht von Nipe gefunden wurde. Papst Johannes Paul II. krönte und segnete sie 1998 bei seinem Besuch in Kuba. Am 27. März 2012 verehrte Papst Benedikt XVI. der Jungfrau von El Cobre anlässlich der vierhundertsten Wiederkehr des Jahrestages ihrer Auffindung eine Goldene Rose während seiner Pilgerreise nach Kuba. Die Kirche beherbergt eine beeindruckende Sammlung von Votivgaben, darunter auch zahlreiche Sportler-Insignien und die Nobelpreis-Medaille von Ernest Hemingway (leider nicht im Original zu sehen). Zur heißesten Mittagsstunde führte uns der Reiseleiter noch durch Santiago, in dessen Zentrum sich ein recht nett anmutendes Hotel befindet, von dessen Dachterrasse wir einen schönen Blick über Santiago hatten und wo wir uns einen Cocktail genehmigten. Gleich daneben die Kathedrale, auf deren Turm wir stiegen - ebenfalls für einen vergleichbaren Blick - und das älteste Haus Kubas. Unser Hotel liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums, dennoch in Fuß-Entfernung, so dass wir uns am frühen Abend noch einmal dorthin begaben und zum Abendessen ein nettes Lokal ausfindig machten, ein Lokal, in dem erstmals die Flasche, aus der das Bier kam, nach dem Öffnen noch mit einem Tuch gereinigt wurde - das macht doch was her! Den Tag ließen wir noch bei einem Besuch einer Casa del Musica ausklingen - allerdings wieder etwas enttäuschend, denn abgesehen davon, dass allein das Betreten des Lokals mit umgerechnet ca. 5 Euro zu Buche schlug, spiele die Live-Musik nur für eine Stunde und anschließend erwartete man zusätzlich noch einen Obolus. Das macht das verhältnismäßig preiswerte Bier dann auch nicht wett.

Sa. 25.06.2016: Santiago de Kuba

Heute brachte uns der Bus zu einer nahe gelegenen Festung. Seltsamerweise wollte man keinen Eintritt von uns, dafür aber ca. 5 Euro für die Fotoerlaubnis und so gibt es aus dem Inneren der Festung keine Bilder - außer die in meinem Kopf. Aber das ist zu verschmerzen. Die Festung an sich ist recht gut erhalten und in Schuss, man kann sich recht frei bewegen und hat einen schönen Blick hinein in die Bucht von Santiago, den man aber auch von außerhalb der Festung hat, so dass es diesen Blick auch auf dem Foto gibt. Über Mittag hatten wir Gelegenheit, Santiago noch auf eigene Faust zu erkunden, bevor uns der Bus wieder zurück zum Hotel brachte. Am frühen Abend werden wir wohl noch mal ins Zentrum laufen, uns was zum Abendessen suchen.

So. 26.06.2016: Santiago de Kuba - Baracoa (ca. 260 km)

Es geht weiter. Von Santiago de Kuba fahren wir, zunächst noch entlang der Küste bis hin zu einer Aussichtsplattform, von der aus man einen Blick hinüber zum ca. 8 km entfernt liegenden amerikanischen Militärstützpunkt werfen kann. Dann queren wir die Insel von der Süd- an die Nordküste. Dabei führt uns die Straße über den ca. 600 m hoch gelegenen La Farola Pass. Wir überreden den Reiseleiter zu einem kurzen Stopp und haben so die Gelegenheit, die sich durch das Gebirge schlängelnde Straße vom Aussichtsturm am Pass zu betrachten. Nahe dem verschlafen wirkenden Küstenstädtchen Baracoa wartet ein Lokal mit typischen Gerichten zum Mittag auf uns und nachdem wir uns gestärkt haben, bekommen wir noch eine ausfahrt im Ruderboot über den Rio Toa geboten. Alles in allem wieder ein schöner, abwechslungsreicher und interessanter Tag, den wir in einer Privatunterkunft, einem so genannten Casa Particulares Im Schaukelstuhl ausklingen lassen.

Mo. 27.06.2016: Humboldt Nationalpark

Heute steht eine Wanderung auf dem Programm. Mit unserem Minibus geht es über etwas, das den Namen 'Straße' nicht verdient hat in den Alexander-von-Humboldt-Nationalpark. Bereits die Anmeldung nimmt einige Zeit in Anspruch. In dem zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärten Park werden wir auf überwiegend Natur belassenen (um nicht "unwegsamen" schreiben zu müssen) Pfaden durch die wieder recht vielfältige kubanische Fauna geführt. Nach vielleicht 5 km erreichen wir einen kleinen Fluss, in dessen Lauf sich unterhalb eines kleinen Wasserfalles ein natürliches Bassin gebildet hat, das zum Bade einlädt. Diese Erfrischung lassen wir uns nicht entgehen. Wieder zurück am Minibus bringt dieser uns noch zu einer kleinen Badebucht mit angeschlossener Gastronomie und anschließend wieder zurück nach Baracoa, wo ich die Gelegenheit nutze, in der dortigen Kirche noch jenes Kreuz zu betrachten, das einst Christopher Kolumbus nach seiner Landung in den örtlichen Strand gestellt haben soll.

Die 28.06.2016: Baracoa - Guardalavaca (ca. 255 km)

Heute steht wieder eine recht lange Fahrt auf dem Programm. Es geht nach Guardalavaca. Im hiesigen All-Inklusive-Hotel Club Atlantico stellen die Kubaner unter Beweis, dass sie auch das All-Inclusive-Konzept beherrschen. Bis 23:00 Uhr bleiben (fast) keine Wünsche offen. Gut, der Alkohol, den es in unterschiedlichen Sorten gibt, ist wohl der billigste, alkoholfreie Getränke werden wohl mit filtriertem Leitungswasser zubereitet, über Kaffee und andere Heißgetränke kann ich mich nicht äußern - bleibt immer noch das Bier, das es hier erstmals vom Fass gibt und das lässt sich trinken, wie dem Vernehmen nach auch der Wein.

Mi. 29.06.2016: Guardalavaca

Und so lassen sich der gestrige Nachmittag und der heutige gesamte Tag gut zubringen. Es bleibt Zeit, Urlaubseindrücke niederzuschreiben, etwas zu lesen und selbstverständlich bleiben die Morgen- und Abendstunden für ein Bad im schönen, klaren, warmen Atlantik.

Do. 30.06.2016: Guardalavaca - Havanna (ca. 65 km + Flug)

Leider bleibt von diesem Tag nur folgender Beschwerdebrief zu berichten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen diese Beschwerde vom Flughafen in Holguin, da unsere Reisegruppe bereits seit mehr als drei Stunden im Abfertigungsbereich des Flughafens zur Untätigkeit gezwungen ist - relative Untätigkeit, denn mir bleibt ja immerhin noch, Ihnen diese Beschwerde zu schreiben. Damit aber nicht genug!

Doch der Reihe nach, denn ich werde vermutlich noch reichlich Zeit haben, die Ereignisse zu schildern: Die lokale Reiseleitung hat dem Vernehmen nach am Vortag (29.06.) unter großer Mühe eine Bestätigung für unseren Inlandsflug am 30.06. nach Havanna erhalten und uns in Aussicht gestellt, gegen 13:00 Uhr abzufliegen. Um den Flug zu erreichen, fuhren wir 10:00 Uhr aus unserem All-Inclusive-Hotel Richtung Flughafen ab. Dort angekommen erfuhren wir, dass das Flugzeug wohl nicht pünktlich aus Havanna abfliegt und somit auch den Rückflug nach Havanna nicht pünktlich starten wird.

Unser lokaler Reiseleiter und der Fahrer erwiesen sich als recht flexibel und entließen uns nicht ins Terminal sondern zeigten uns noch Holguin - aber immer nur in Stunden-Intervallen. Hieß es nämlich zunächst, die Maschine startet gegen 13:00 Uhr in Havanna, verschob sich deren Start nun Stunde um Stunde, wurden unser lokaler Reiseleiter und wir Stunde um Stunde hingehalten, vertröstet. Gegen 16:30 Uhr checkten wir dann doch ein - nicht ahnend, was uns noch bevorsteht. Mittlerweile ist es 20:30 Uhr und wir sitzen seit geschlagenen vier Stunden am Gate! Es ist eine Zumutung und alle, wirklich alle (Reisende sowie Reiseleitung), wurden von den Offiziellen bis vor einer halben Stunde im Unklaren gelassen. Dann gab es wenigstens mal eine Information und einen "Gutschein", der den Namen nicht verdient, denn er ist offensichtlich zweckgebunden.

Spätestens ab 15:00 Uhr habe ich dann eine mögliche Alternative erwähnt. Meiner Ansicht nach hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, mit dem Minibus nach Havanna gefahren zu werden. Aber, so unser lokaler Reiseleiter, für diese Option bräuchte er die Freigabe seiner Vorgesetzten in Havanna und die würde er nicht erhalten, weil die Airline den Ticketpreis nicht erstatten würde. Insofern wurde diese Möglichkeit der Abhilfe nicht wirklich ernsthaft in Erwägung gezogen - nach über 5 Stunden Untätigkeit erweist sich das mehr und mehr als ein Versäumnis. Und selbst unsere um 20:40 Uhr versendete Notfall-SMS an die in Deutschland angeblich rund um die Uhr besetzte Hotline mit einer Rückrufbitte auf das Handy unseres lokalen Reiseleiters blieb ohne Reaktion.

Soviel zu den Ereignissen. Nun zu meiner Einschätzung. Nach dem Bekunden des lokalen Reiseleiters sind Verspätungen, selbst in dieser Größenordnung eher die Regel als die Ausnahme. Insofern betrachte ich es als weiteres grobes Versäumnis des Reiseveranstalters, diesen Inlandsflug weiterhin im Reiseprogramm zu belassen statt planbareren Alternativen in Betracht zu ziehen. Das beweisen meiner Ansicht nach auch die warnenden "warmen Worte" im Begleittext zur Reise, wo man mit irreführenden Formulierungen bereits auf diese unhaltbaren Zustände vorbereitet wird. Allerdings sollten hier Grenzen der Verhältnismäßigkeit gelten. Allein durch solch "einstimmende" Worte im Begleittext zur Reise kann und darf sich ein Reiseveranstalter nicht aus seiner Verantwortung stehlen. Mit einem solchen Text sind vielleicht zwei bis drei Stunden Verspätung zu tolerieren und zu entschuldigen aber nicht eine derartige, ich meine vorsätzliche, missbräuchliche Gestaltung. Ein sorgfältig planender Reiseveranstalter verschafft sich durch Statistiken und Erfahrungen einen Überblick über die Leistungsfähigkeit der Partner, deren Leistung(en) er seinen Gästen für teures Geld anbietet und er ist für Minderleistungen jener lokalen Partner dann auch verantwortlich. Hätten Sie dies gewissenhaft getan, hätten Sie Ihren lokalen Partner entsprechend vorbereitet sein können, der unter diesen Umständen auch ernsthaft einen Bustransfer nach Havanna hätte in Erwägung ziehen können. So aber werden mögliche Differenzen, die es zwischen der lokalen Agentur und der lokalen Airline geben könnte, auf dem Rücken der tatenlos im Flughafenterminal sitzenden Reisenden ausgetragen bzw. vermieden - für mich ein unhaltbarer Zustand!

Mehrmals am Tag habe ich mich gefragt, wo wir wären, wenn wir statt 10:00 Uhr zum Flughafen 10:00 Uhr Richtung Havanna aufgebrochen wären. Und ich wage zu behaupten, dass wir in diesem Falle tatsächlich früher in unserem Hotel in Havanna angekommen wären, als mit dem Flieger; mittlerweile - es ist 21:00 Uhr - bin ich mir da sicher. Und ein Reiseveranstalter, der seinen Reisegästen einen Tag unplanbare Tatenlosigkeit zumutet, kann sich nicht darauf berufen, seinen Gästen diese lange Busfahrt nicht zumuten zu wollen. Verlässlicher wäre - so das Fazit des heutigen Tages - ein Bustransfer gewesen und dann hätte auch die Reisebeschreibung ehrlicher sein können und nicht gelockt mit: "Lassen Sie dort [in Havanna] den Abend entspannt in der Altstadt ausklingen und lassen Sie noch einmal das Flair der Stadt auf sich wirken. Besuchen Sie eine der 'Hemingway Bars' oder probieren Sie das Abendessen in einem der "Paladar" - privates Restaurant..." Insbesondere dieser Punkt der Reisebeschreibung steht nun zweifelsfrei als ersatzlos entgangene Urlaubsfreude im Raum, als eine Leistung, die Sie als Reiseveranstalter in Aussicht gestellt, nicht aber erbracht haben, weil Sie mit unzuverlässigen Partnern zusammenarbeiten, was Sie sich zurechnen lassen müssen, was Sie dringend ändern sollten! Meiner Ansicht nach ist es nicht mehr zu verantworten, den Inlandsflug weiterhin im Reiseprogramm zu belassen. Sie sollten Ihren zukünftigen Gästen dringend Alternativen anbieten, denn das, was mir hier gegenwärtig widerfährt, ist eine Zumutung.

Abgesehen von der tatsächlich entgangenen Urlaubsfreude in Form des zitierten Programmpunktes ist natürlich auch ein Tag in Untätigkeit am Flughafen eine Zumutung. Sicherlich ist auch Ihnen leicht vorstellbar, dass man, insbesondere, wenn man über sehr lange Zeit von jeder Information abgekoppelt ist, frustriert wird und der Urlaubs- und Erholungseffekt der zurückliegenden, erlebnisreichen Tage deutlich gemindert wird. All die Mühe, der Aufwand, den unser lokaler Reiseleiter in den vergangenen knapp drei Wochen aufgewendet hat, sind mit einem solchen Tag hinweggefegt. Unterm Strich ist dieser gesamte Tag ein verschenkter Tag, ein kompletter Tag entgangener Urlaubsfreude, ein Tag, der wie ein Schatten auf dem bisherigen Urlaub liegt und subjektiv mehr als einen Tag Urlaubsfreude förmlich hinwegfegt. Wie bereits weiter oben erwähnt, bin der Auffassung, ein seriöser Reiseveranstalter muss sich Unzulänglichkeiten bzw. die Unzuverlässigkeit der von ihm ausgewählten Partner zurechnen lassen und kann sich nicht durch die bloße Information über die möglicherweise unhaltbaren Zustände mit irreführenden Worten in seinen Begleittexten von einer angemessenen Entschädigung für die davon betroffenen, die leid tragenden Gäste freistellen. Vielmehr deuten gerade diese Worte darauf hin, dass der Reiseveranstalter bereits mehrfach auf entsprechend schlechte Erfahrungen zurückblicken muss und diese Zustände fortan billigend in Kauf nimmt, statt für angemessene Abhilfe zu sorgen und sei es durch ein alternatives Transportmittel. Insofern tragen sie als Veranstalter eine besondere Verantwortung und sollten dieser auch gerecht werden.

...

PS: Wir haben tatsächlich noch unser Hotel erreicht - statt am Donnerstag erst am Freitag. So fasse ich noch mal kurz die Eckdaten zusammen: Wir haben um 10:00 Uhr das Hotel verlassen, die Maschine aus Havanna ist 21:50 Uhr gelandet, wir sind gegen 22:30 Uhr eingestiegen, gegen 22:55 Uhr gestartet, gegen 0:00 Uhr am Folgetag in Havanna gelandet, haben gegen 1:00 Uhr unser Gepäck erhalten (eine Stunde zwischen Landung und Gepäckempfang und das bei lediglich zwei Gepäck-Transportwagen, die ins Flugzeug ein- und aus dem Flieger wieder ausgeladen wurden - ein weiteres Zeichen für den Dilettantismus und die Unzulänglichkeit der kubanischen Airline) und haben gegen 1:30 Uhr, also nach einer ca. 15,5-stündigen Odyssee, endlich das Hotel erreicht.

Fr. 01.07.2016: Havanna

Für den letzten Tag unserer Reise haben wir uns noch ein paar Highlights aufgehoben. Nach der Odyssee am Vortag allerdings starteten wir etwas später als gewöhnlich mit dem reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel Havanna Libre. Danach brechen wir erst mal ohne konkretes Ziel zu Fuß Richtung Innenstadt auf und besuchen eine von außen unscheinbar wirkende, innen doch recht ansehnliche Kirche. Wir finden uns kurze Zeit später am Capitol wieder, wollen noch eine Lock ansehen, die ich vor knapp drei Wochen dort fotografiert habe, doch die ist nicht mehr da. So entschließen wir uns, der Dachterrasse eines nahe gelegenen Hotels noch einen Besuch abzustatten. Von dort hat man auch einen wunderschönen Blick. Ein Getränk später brechen wir zum einzigen konkreten Programmpunkt des Tages auf, einer Fahrt in einem Historic Car. Es sollte ein 1952er Ford Cabrio mit einem wohl klingenden 6-Zylinder-Motor sein, der uns noch mal eine Stunde die Sehenswürdigkeiten Havannas näher brachte. Man schwitzt sehr auf den mit einer Folie überzogenen Sitzen und so trifft es sich gut, dass wir uns entschieden haben, die Tour am Hotel enden zu lassen - Zeit, der Mittagshitze bei einer Siesta mit Fußball im Hotelzimmer zu trotzen. Erst zum Abend haben wir uns noch mal mit unserem Reiseleiter verabredet. Wir wollten uns den Buena Vista Social Club ansehen. Nach dem Abendessen trafen wir den Reiseleiter, dem es leider (Oder sollte ich schreiben 'glücklicherweise'?) nicht gelungen war, einen Transfer zu organisieren. So war er in der Pflicht und orderte vom Straßenrand ein authentisches Taxi, auch ähnlich alt, wie das Cabrio vom Tage nur bei weitem nicht so schön anzusehen und mit Dieselmotor. Egal, es brachte uns zum Ort der Aufführung und wir erlebten eine Combo älterer Herren, die die traditionellen Rhythmen darboten, Sängerinnen und Sänger wechselten sich mit wenigen Tanzdarbietungen ab und auch die Gäste schwangen das Tanzbein, so dass wir alles in allem einen wirklich gelungenen Abschlusstag unserer dreiwöchigen Kuba-Rundreise gestalteten. Den Rückweg sollte uns ein Biki-Taxi bringen. Doch der kannte sich nicht aus, so dass uns noch ein wenig Fußweg entlang der Küstenpromenade Havannas blieb, die an jenem (Freitag-) Abend sehr gut besucht war.

Sa. 02.07.2016: Rückreise

Der Rückflug geht am späten Nachmittag. Einziger offizieller Programmpunkt ist der Transfer vom Hotel zum Flughafen. Bis dahin haben wir noch ein weiteres Transportmittel ausprobiert, ein dreirädriges Moped-Taxi, das uns für 10 CUC mal 20 Minuten im Kreis fuhr. Nette Erfahrung, gehört doch auch irgendwie dazu. Am Nachmittag geht es zum internationalen Flughafen. Der Flug von Havanna nach Bogota startet 16:50 Uhr (22:50 Uhr MESZ), soll 19:15 Uhr (02:15 Uhr MESZ) landen, der Anschlussflieger nach Frankfurt soll dann 20:55 Uhr (03:55 Uhr MESZ) starten und am nächsten Tag 15:15 Uhr in Frankfurt sein. 16:50 Uhr geht es nach Dresden weiter, wo wir 17:50 Uhr, also nach einer ca. 19-stündigen Reise (das sind nur 4 Stunden mehr, als vor ein paar Tagen) landen wollen.

Fazit

Kuba ist eine Reise wert - aber im Moment denke ich, eine Reise reicht dann auch. die Erwartungen, die ich an diese Reise hatte, haben sich heute, da ich mich noch am vorletzten Etappenort befinde, erfüllt. Ich habe Havanna gesehen und eine Zigarre geraucht - zugegeben, eine großzügig abgeschnittene. Fast überall gab es die alten Autos zu sehen, die man bei einem Kuba-Aufenthalt zu sehen erwartet, wenngleich ich mir am Ende der Reise nun auch nicht mehr so sicher bin, ob es sich wirklich in jedem Fall um amerikanische Straßenkreuzer handelt, die es zweifelsohne auch zu bewundern gibt. Doch insbesondere eine Form wiederholt sich derart oft, dass man dahinter dann eher ein Produkt aus ehemaliger sozialistischer Produktion vermutet. Und irgendwie schaffen es die Kubaner, diese alte Technik am Laufen zu halten. Gut, zumeist haben die die Big Blocks durch irgendwelche rußenden Dieselmotoren ersetzt und verpesten damit die Luft. Gleiches haben die Laster so an sich, bei denen russische Erzeugnisse das Straßenbild bestimmen. Handelt es sich ausnahmsweise mal um neuere Modelle, stammen sie aus China - wie auch der Minibus, der uns durchs Land brachte.

Eine Klasse unter den PKWs sind es alte MZ, von denen man glaubt, auf Kuba mehr zu sehen, als sie je in der DDR unterwegs waren. Die Motor betriebenen Fahrzeuge teilen sich die außerhalb der Ballungszentren Havanna, Santiago, Trinidad doch sehr freien Straßen mit Fahrrädern, Pferde- und Ochsenfuhrwerken, Reitern und Fußgängern. In Summe bestätigt dann aber das Straßenbild den Eindruck eines recht armen und lange isolierten Landes, das langsam eine Entwicklung zum Besseren einschlägt, dafür aber Devisen braucht, die Tourismus alleine wohl nicht aufbringen kann.

Apropos Devisen, auch so eine Besonderheit in Kuba: Es existieren parallel zwei Währungen und als Tourist ist man mehr oder weniger gezwungen, mit dem konvertierbaren Pesos, kurz "CUC" zu zahlen, der 1:1 an den US$ gebunden ist. In Devisen bringenden Läden müssen Einheimische für einen CUC 25 Pesos, kurz "CUP", aufwenden. Handelt es sich um einfachere Produkte oder Eintrittsgelder, liegt der Kurs dann bei bis zu 1:1, es wird aber penibel darauf geachtet, dass nur Einheimische in die Gunst dieses Umrechnungskurses kommen. Abgesehen davon ist es für Touristen gar nicht so einfach, überhaupt in den Besitz von CUP zu gelangen. Außerdem ist es auch während der gesamten Reise nicht wirklich gelungen, abschließende Klarheit über das System der zwei Währungen zu erlangen.

Hält man sich das vor Augen, ist die Preisgestaltung in Kuba - um es freundlich auszudrücken - selbstbewusst. Wasser, Bier, Postkarten und vieles andere sind, bei teilweise nicht wirklich vergleichbarer Qualität, schon mal genauso teuer, wie in Deutschland. Essen im Restaurant liegt bei wohlwollend geschätzten 80 Prozent deutscher Preise, ist aber keinesfalls vergleichbar, wenngleich ich immer satt geworden bin und dass ich mir einmal den Magen verdorben hatte, lag wohl nicht so sehr am Essen. Wer also meint, in Kuba einen günstigen Urlaub verbringen zu können, der wird etwas überrascht werden.

Ein letztes Wort noch zur Preisgestaltung, zu einer recht sonderbaren aber, wie ich meine, recht aussagekräftigen Preisgestaltung: Das teure am Kuba Libre, der bekanntermaßen aus Cola und Rum besteht, ist nicht der Rum, den man für unter 2 CUC für 0,35 Liter bekommt, sondern die Cola, für die ich im günstigsten Fall 1,5 CUC für 1,5 Liter zahlte.

Doch zurück zu meinen Eindrücken: Kuba ist ein armes aber stolzes Land. Die vielen Autos, von denen ich schrieb, befinden sich zumeist im dienstlichen gebrauch und dienen der Personenbeförderung. Die Beförderung im PKW bleibt dann aber eher den Touristen vorbehalten. Einheimische müssen mit der Kutsche, dem Fahrradtaxi, dem überfüllten Bus oder - so der Eindruck eines verwöhnten Europäers - mit dem Viehtransporter Vorlieb nehmen. Das sind zu "Bussen" umgebaute LKWs oder Kombis und auch diese werden bis zur Belastungsgrenze beladen.

Zudem habe ich den Eindruck gewonnen, die Kubaner denken ihre Investitionen nicht zu Ende. Viele Kubaner, egal ob in mittleren Städten oder auf dem Lande (Ballungsräume mal ausgenommen) leben in einer Art Reihenhaus, eins am anderen vom Ortsein- bis zum Ortsausgang oder eben von Querstraße zu Querstraße. Jedes dieser Objekte verfügt über dem Erdgeschoss über ein großzügiges Vordach, das mindestens zwei Schaukelstühlen Schutz vor Sonne oder Regen bietet und auf denen sich trefflich die Zeit verbringen lässt - nur eben recht unproduktiv.

Aber warum komme ich zu dem Eindruck, die Kubaner denken ihre Investition nicht bis zum Ende?

Nun, steht so ein Haus - eine, maximal noch eine zweite Etage - erst einmal, dann steht es, ohne, dass es den notwendigen Unterhalt erfährt. Die Substanz verfällt, wird im besten Fall mal kosmetisch behandelt. Und so, auch das eine Erwartung, die mir dieser Kuba-Urlaub erfüllt hat, kommt es, dass einstmals wunderschöne Gebäude ein bedauerliches Schicksal fristen. Gut, bei den Objekten aus der Kolonialzeit oder jene, die noch unter amerikanischem Einfluss auf Kuba entstanden sind, ist das erklärlich, denn jene, die einstmals die Mittel aufbrachten, sich die für jene Zeit so typischen Häuser errichten zu lassen, sind überwiegend ins Exil gegangen und leben heute außerhalb Kubas. Und das Land selber hat dringendere Probleme, als Verzierungen an Art-déco-Häusern zu sanieren, als da zum Beispiel die maroden Straßen bzw. die gesamte Infrastruktur wären. Wer den Sozialismus kennt, kann sich einigermaßen ein Bild machen - wenn er sich es noch etwas schlechter vorstellt, als in seiner Erinnerung an die im Sozialismus sich selbst überlassene Infrastruktur erinnert.

Ach ja, in Sachen Rum blieb der Urlaub wohl etwas hinter den Erwartungen zurück. Und ich kann mir keinen Reim drauf machen, ob es daran liegt, dass der Rum hier aus der Melasse vom Zuckerrohr gewonnen wird. Jedenfalls, wer als Geschmack des kubanischen Rums etwas in der Art vom Weihnachts-Backaroma erwartet, der wird enttäuscht sein. Ich möchte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass der kubanische Rum schlecht schmeckt, nur eben anders, als ich es erwartete. und ich habe einige Sorten probiert. Zunächst natürlich Havanna Club in verschiedensten Ausprägungen, wobei der 7-jährige mein Favorit wurde. Dann noch den 7-jährigen Varadero, dann Mulata. Schmeckt jeder sowohl pur als auch als Kuba Libre und wenn man sich von der Aroma-Erwartung löst, kann man den Rum genießen.

Und dann habe ich in den drei Wochen noch was über Zigarren gelernt. Es ist nämlich so, dass beispielsweise die Cohiba oder die Monte Christo oder die Romeo-und-Julia lediglich so eine Art Rezept ist, ein Rezept, welche Blätter der getrockneten Tabak-Pflanze wann im das Produkt hinein gedreht werden und so praktisch jede und jeder, der bzw. dem die Rezeptur bekannt ist, entsprechende Zigarren drehen kann - ähnlich dem Bier Pilsener Brauart, dass es auch aus Radeberg, Wernesgrün und Wernigerode gibt. Und ich habe gelernt, dass erst die Banderole die Zigarre zum teuren Statussymbol macht. Verzichtet man darauf, kommt man etwas günstiger in den Genuss.

Ein abschließendes Wort noch zum Wetter und Klima. Ich war in der Regenzeit, zumindest außerhalb der Hauptsaison, die im April endet, auf Kuba. Regen aber hat das Reiseprogramm nicht beeinträchtigt - im Gegenteil, ich möchte fast schreiben, er hat es bereichert, durch Wetterleuchten und wirklich erfrischende Güsse, die ich aus der überdachten Unterkunft genießen konnte. Gut, im Juni ist es auf Kuba sehr heiß. Es macht nicht wirklich viel Spaß, in der Mittagshitze Städte zu besichtigen, ließ sich aber manchmal nicht ändern. Ab 17:00 Uhr oder im Schatten leider viel zu rar gesäter Wolken lässt sich dann alles ertragen und dann kann man auch bei einem Mojito, Kuba Libre oder einem Bier herrlich laue Sommerabende auf der Terrasse eines Lokals oder im Schaukelstuhl einer Privatunterkunft genießen.

So, ein letztes Wort noch zu der Reise: Es war, so mein Eindruck, eine wirklich gut und abwechslungsreich gestaltete und organisierte Reise. Neben notwendigerweise erforderlichen Tagen, die hauptsächlich aus der Autofahrt bestanden, stand auch an durchschnittlich einem Tag die Woche eine Wanderung auf dem Programm, die wegen der großen Hitze, die tagsüber herrscht, etwas kürzer ausgefallen ist, als sie unter anderen Umständen ausgefallen wäre. Und bei jeder Wanderungen - das fand ich nun besonders erwähnenswert - gab es zudem die Möglichkeit, sich in einem Flusslauf oder gar unter einem Wasserfall zu erfrischen. Und auch für Sonnenhungrige, zu denen ich mich ausdrücklich nicht zähle, hat dieser Urlaub mit im Schnitt zwei Strand- bzw. Badetagen die Woche etwas zu bieten. Und die größeren Städte, zu denen ich Havanna, Trinidad und Santiago zähle, bieten einen Kontrapunkt dazu.

© 2016 by A. Klemm
Nach oben

Über michReise- und andere BilderReiseberichteRechtliches