ICH

Reisebericht Kanada 2017

17.09.2017: Bahn-Anreise Dresden --> Frankfurt

Recht entspannt ging es am Vortag des offiziellen Reisebeginnes mit der Bahn von Dresden zum Frankfurter Flughafen und von dort mit einem Shuttle-Service in ein nahe gelegenes Hotel. Letztendlich erwies es sich als goldrichtig, die eine zusätzliche Übernachtung in Flughafennähe zu buchen, war so doch der nächste Tag deutlich entspannter, als bei manch anderem Reisegast.

18.09.2017: Flug Frankfurt --> Toronto

Ungefähr drei Stunden vor Abflug klingelte mein Wecker, ich habe anschließend noch gut gefrühstückt und mich dann wieder vom Shuttle-Service zum Flughafen bringen lassen. Offensichtlich war das bereits ein wenig knapp, denn beim Check-In wurden Fluggäste nach Toronto bereits vorgerufen. So habe ich mir ein paar Warteminuten erspart, bin recht zügig durch die Sicherheitskontrollen gekommen und am Gate gelandet. Wegen der verspäteten Ankunft des Flugzeuges hat es ungefähr eine halbe Stunde länger gedauert, als geplant, bis wir in der Luft waren. Die Maschine war ausgebucht und bereits beim Einnehmen meines Sitzplatzes zeichnete sich ab, dass die Reise zu einem guten Teil die älteren Semester ansprach.

Den gut 8-stündigen Flug habe ich mir mit einem Buch und zwei Filmen verkürzt. In Toronto angekommen, habe ich mich zunächst mit Bargeld für die nächsten Tage eingedeckt und anschließend mit der örtlichen Reiseleitung auf das Eintreffen der anderen knapp 50 Teilnehmer der Reise gewartet. Überrascht haben mich die sommerlichen Temperaturen.

Nachdem sich die 48-köpfige Gruppe gefunden hatte, erwartet uns am Nachmittag bereits der erste Höhepunkt der Reise. Torontos berühmte Skyline gilt vor allem wegen des 553 m hohen CN Towers, einem der höchsten freistehenden Türme der Welt, als einzigartig. Wir fuhren hinauf und hatten einen fantastischen Rundblick über das ein wenig im Dunst liegende Toronto und den Ontario See.

19.09.2017: Toronto und Toronto Island im Ontariosee

Vom Frühstück in den Bus, im Bus dann nahtloser Übergang vom Berufs- und Pendlerverkehrs-Stau in das Stadtrundfahrt-Programm. Wir bekamen viel zu sehen, darunter die wohl situierte Wohngegend am Forest Hill, ein von Daniel Libeskindt ergänztes Gebäude, die über einem historischen Gebäude aufgeständerte Design-Fakultät einer örtlichen Universität, das aus zwei kreis-segmentförmigen, hohen Gebäuden, die ein rundes, flaches Gebäude einschließen bestehende Rathaus. Nach der Fahrt durch die Innenstadt ging es auf einer Fähre hinaus nach Toronto Island - einer Toronto vorgelagerten Inselgruppe im Ontariosee, überwiegend als Parklandschaft angelegt. Am Abend habe ich mich einer kleinen Gruppe angeschlossen, die einen Großteil des Tagesprogramms noch einmal zu Fuß und bei abendlicher Beleuchtung abgegangen ist. Zurück ging's mit der U-Bahn und dem Bus. Auch nachts gibt Toronto ein gutes Bild ab.

20.09.2017: Niagarafälle

Zur üblichen Zeit sind wir von Toronto aus aufgebrochen, um den Ontariosee ein wenig zu umfahren. Ziel der ca. 2-stündigen Fahrt und bereits aus der Ferne durch eine Art Wolke, bestehend aus winzigen aufgewirbelten Wassertröpfchen, gut zu sehen, waren die weltberühmten Niagarafällen – ein beeindruckendes Naturschauspiel! 54 Meter stürzen sich die gewaltigen Wassermassen des Niagara Rivers, der den Eriesee mit dem Ontariosee verbindet, in die Tiefe. Die Niagarafälle sind durch Inseln in drei Teile gespalten: Die American Falls und die kleineren Bridal Veil Falls, die ausschließlich innerhalb der USA liegen und die Horseshoe Falls, durch den die Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft. Die beeindruckendsten Horseshoe Falls haben eine Kantenlänge von 670 m. Der Wasserdurchfluss des Niagara Rivers wird reguliert; Teile der Wassermasse werden über ein Stauwehr für die Stromgewinnung umgeleitet. Für die wenige, uns bei den Fällen verbliebene Zeit bestanden diverse Möglichkeiten, von denen ich mich für einen kurzen Spaziergang zum Oberlauf des Niagara Rivers entschied, um anschließend entlang der Aussichtsterrasse zum Skylon Tower zu laufen. Der Turm steht unmittelbar auf der Höhe der Niagarafälle auf einem kleinen Hügel oberhalb der Fälle und nur rund 200 Meter vom Ufer des Niagara River entfernt. Der herrliche Überblick über die gesamten Niagarafälle und den Niagara River von der Aussichtsplattform des Turms war die 15 CAD Eintritt allemal wert. Wir hatten nur leider zu wenig Zeit bei den Fällen, denn das Mittagessen stand auf dem Programm. Im Anschluss fuhren wir noch in die pittoreske Kleinstadt Niagara on the Lake.

Nach unserer Rückkehr nach Toronto ging es noch einmal für einige der Reisenden mit Bus und U-Bahn ins Stadtzentrum. Mein Ziel war "The Path", ein über 28 Kilometer langes Tunnelnetz, das unterirdisch Bürokomplexe und über 1200 Geschäfte und Ämter miteinander verbindet. Diese weltgrößte Untergrundstadt wirkt abends (und an Wochenenden) recht ausgestorben aber sauber und aufgeräumt. Tagsüber – so haben wir es am Folgetag erlebt, ist der PATH dafür umso belebter, vor allem zur Mittagszeit.

21.09.2017: Toronto "Distillery Historic District" und Flug nach Vancouver

Der Tag begann mit einem Spaziergang durch den "Distillery Historic District". Ein überschaubares Künstlerviertel in Toronto mit denkmalgeschützten viktorianischen Backsteingebäuden, entstanden aus einer ursprünglichen Destilerie. Danach ging es noch mal kurz nach Down Town Toronto mit Besichtigung eines interessant überdachten Innenhofes und von der Reiseleitung geführtem, kurzen Spaziergang durch Teile vom Path.

Auf unser anschließend doch recht gutes Mittagessen mussten wir verhältnismäßig lange warten, was danach zu einer gewissen Eile führte, mussten wir doch einen Flug erreichen. Letztendlich ist alles gut gegangen und wir sind nach ca. 5 Stunden Flug auch pünktlich in Vancouver gelandet. Dort ging's dann nur noch ins Hotel.

22.09.2017: Vancouver

Den Freitag verbrachten wir fast ausschließlich im Bus bei einer Fahrt durch und um Vancouver. Begonnen haben wir in Stadtviertel Chinatown. Bereits auf dem Weg dahin fallen zahlreiche Obdachlose auf. Dem Stenlay-Park haben wir gleich zweimal einen Kurzbesuch abgestattet, zwischendurch haben wir einen Meeresarm über die Lionsgate Brücke überquert und uns eines der wohlhabenderen Wohnvierten angesehen. Die Mittagspause verbrachten wir auf der winzigen Insel Granville Island, auf der ich doch tatsächlich eine Destillerie entdeckt habe, die einen einjährigen "Whisky", noch ganz klar und fast ohne Charakter, zur Verkostung anbot. Davon und von einem Getränk, das sich tatsächlich auch Whisky nennen darf, weil es drei Jahre reifte, habe ich probiert, musste dann aber im Laufschritt zurück zum wartenden Bus. Ein weiterer kleiner Stadtpark stand noch auf dem improvisierten Programm, bevor wir dann endlich nach Down Town gebracht wurden. Leider blieb nur recht wenig Zeit, dennoch ausreichend, um wenigstens einmal auf den Lookout zu fahren und den herrlicher Blick über Vancouvers Innenstadt bis weit nach Amerika hinein und zum Bakers Mtn. zu genießen und zu fotografieren.

23.09.2017: Vancouver Island

Gleich früh sind wir aufgebrochen, um die Fähre nach Vancouver Island zu erreichen. Für die gut 45 km von Tsawwassen nach Swartz Bay benötigt die Fähre gut 1,5 Stunden. Vom Hafen aus ging's dann direkt nach Victoria. Victoria gilt als die wohl britischste Stadt außerhalb Großbritanniens. Wir hatten ausreichend Zeit, durch die Stadt zu bummeln und unser Mittagessen zu genießen. Am Nachmittag brachen wir dann zum Rückweg auf und waren am frühen Abend zurück im Hotel.

24.09.2017: Sea to Sky Highway / Whistler

Nach dem Frühstück ging's über den spektakulären "Sea to Sky Highway" hinein in die Coast Mountains. Die "Shannon Falls" Wasserfällen waren weniger spektakulär, als im Reiseprogramm angekündigt; sie führten einfach zu wenig Wasser. Dennoch hatten wir dort ein wenig Freizeit, bevor wir entlang atemberaubender Ausblicke die Panoramafahrt nach Whistler fortsetzten. Der "Sea to Sky Highway" führt in nördliche Richtung die Pazifikküste entlang und später ins Landesinnere. Er verbindet die Pazifikküste mit den Bergen der Coast Mountains. Besondere Bedeutung erlangte der Highway während der Olympischen Winterspiele 2010 als direkte Verbindung zwischen der Olympiastadt Vancouver und dem Skigebiet in Whistler. In Whistler gab es genug Freizeit zu bummeln, das Mittagessen einzunehmen und die einzigartige Gebirgskultur und freundliche Atmosphäre genießen. Inmitten dessen bot Johnny noch ein Ständchen an einem öffentlich zugänglichen Klavier dar. Und um nicht all zu zeitig wieder im Nirgendwo (Langley), wo wir unsere Unterkunft hatten, zurück zu sein, gab's noch einen Abstecher nach Horseshoe Bay. Den Abend verbrachte ich, meine Erkältung auskurierend, mit der Wahlnachlese des deutschen Internet-Fernsehens.

25.09.2017: Fly over Canada und Flug nach Calgary

Nach dem Frühstück fuhren wir – nicht, wie im Programm angekündigt in den Norden Vancouvers und zur Capilano Suspension Bridge, sondern – auf Johnnys ausdrückliche Empfehlung nach Down Town Vancouver, zu "Fly over Canada". Und Johnny – "The best Tour Guide of the World", wie er sich selbst berechtigterweise nennt – hat nicht zu viel versprochen, als er meinte, das wird für alle ein unvergessliches Erlebnis. "Fly over Canada" ist eine Art IMAX Kinoerlebnis. Man begibt sich auf einen virtuellen Rundflug, durchstößt die Wolkendecke, wird dabei ein wenig nass, man fliegt vom Osten in den Westen, man fliegt an den Niagara-Fällen vorbei, wo man erneut durch Wassertröpfchen-Spray fliegt, man fliegt über Felder und hat Getreidegeruch in der Nase, gelangt schließlich in Kanadas Westen, durchstößt wieder die Wolken, wird wieder leicht gewässert und erreicht das Ende des "Fluges". Dabei immer etwas Wind in den Haaren und die Neigung aufgrund der Flugbewegungen spürend. Einzigartig, empfehlenswert und in der Gruppe auch erschwinglich. Nach diesem Erlebnis blieben noch 30 Minuten, die wir für einen weiteren kurzen Abstecher in den Stenlay-Park nutzten, bevor es dann zum Mittagessen und anschließend zum Flughafen ging.

Der Flug nach Calgary verlief planmäßig, lediglich auf unser Gepäck haben wir verhältnismäßig lange warten müssen, weshalb wir leider den Weg nach Banff überwiegend im Dunkeln zurücklegten und auch auf einer Ranch, die uns Johnny wärmstens für das Abendessen ans Herz gelegt hat, recht spät ankamen. Das Essen war gut, Johnnys Gesangseinlagen auch, die Zeit verging recht schnell, so dass wohl die gesamte Reisegruppe nach der Ankunft im Hotel todmüde ins Bett gefallen ist.

26.09.2017: Banff Nationalpark

Der Tag stand ganz im Zeichen des Banff Nationalparks. Bei Wikipedia heißt es, "Jährlich besuchen etwa fünf Millionen Menschen den Park." Und 2017 werden es wohl noch ein paar Besucher mehr sein, denn zum 150-jährigen Jubiläum verzichtet Kanada auf den Eintritt. Tiefe Schluchten und beeindruckende Wasserfälle, Bäche und Seen, die diese Region zu einer der landschaftlich reizvollsten Gegenden Westkanadas machen, warteten darauf, uns vom Best Tour Guide on Earth gezeigt zu werden. Wir begannen bereits vor dem Frühstück mit einigen schönen Seen und einzigartigen Landschaften. Nach dem kurzen aber verhältnismäßig guten Frühstück ging es im ältesten Nationalpark Kanadas weiter von See zu See und immer umgeben von den gewaltigen Höhenzügen der Rocky Mountains. Herauszuheben vielleicht der wie ein Spiegel vor dem Gletscher da liegende kristallklare, smaragdgrüne Lake Louise. Dessen Farbe stammt von Steinmehl, das von Gletscherschmelzwasser in den See gespült wird. Gegen Mittag fuhren wir zum Abraham Lake. Einige der Gruppe gingen entlang des Seeufers spazieren, die anderen ließen sich für 20 Minuten mit dem Heli durch die Rockies fliegen – ein Erlebnis! Den – wie so oft – überraschenden Abschluss des Tages bildete ein sehr schöner Blick von einem Aussichtspunkt über den Lake Peyto.

27.09.2017: Auf dem Icefield Parkway nach Jasper

Erneut ging es vor dem Frühstück auf einen 30-Minuten-Kurzausflug. Diesmal zeigte uns Johnny die Bow-Fälle und das Schlosshotel in Banff. Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus entlang des "Icefield Parkway" nach Jasper. Einen ganz und gar unplanmäßigen Stopp legten wir beim Bow Lake ein, der zu jenem Augenblick glatt wie ein Spiegel dalag, ein Bild, das viel Ruhe ausstrahlt. Uns blieb Zeit für ein paar Aufnahmen, bevor der Wind dem Schauspiel ein Ende bereitete. Entlang der wohl schönsten Panoramastraße Kanadas, gesäumt von unzähligen Gletschern, blaugrünen Seen und rauschende Wasserfälle, gab uns Johnny zunächst Gelegenheit, im Johnston Canyon die unteren Wasserfälle zu erwandern. Entgegen der ausdrücklichen Anweisung traute ich mir in der uns eingeräumten Zeit auch noch die oberen Fälle zu: Eine schöne, enge Schlucht, teilweise nur über Stege erschlossen. Im weiteren Verlauf passiert der "Icefield Parkway" das Columbia Icefield, Ursprung von acht Gletschern und eine der größten Ansammlungen von Eis südlich des Polarkreises. Wenig später hielten wir an den Athabasca Wasserfällen und erreichten kurz darauf Jasper, nicht ohne vorher noch einen kurzen Fotostopp am Pyramide Lake und am Patricia Lake eingelegt zu haben. In Jasper gab es dann unser Abschiedsessen. Noch am selben Abend verließen wir Jasper aber wieder, allerdings nur, um den für den Folgetag anstehenden Rückweg nach Calgery etwas zu verkürzen. Und so erreichten wir unser Hotel wieder recht spät; es bestand kein Bedarf nach einem Abendprogramm, das Tagesprogramm ist abwechslungsreich und unterhaltsam genug!

28.09.2017: Rückflug Calgary -->

Nach dem Frühstück brachen wir auf die mehr als 400 km lange Rückfahrt nach Calgary auf. Auf Vorschlag des Busfahrers entschieden wir uns gegen die Autobahn und nahmen die landschaftlich reizvollere Landstraße, ohne dadurch Zeit zu verlieren. Bei einer kurzen Stadtrundfahrt zeigte uns Johnny noch den Saddledome, Heimstadion der Calgary Flames mit einem herrlichen Blick auf Downtown Calgary und im Stadtzentrum den Calgary Tower. Im Anschluss begleitete uns Johnny noch zum Flughafen, wo Air Canada auf Johnnys Bitte hin bereits unsere Bordkarten für die Gruppe bereithielt, so dass wir in Rekordzeit am Gate waren. Also bleibt Zeit, diese Zeilen zu beenden, bevor es auf den 9-stündigen Rückflug geht.

29.09.2017: Rückflug --> Frankfurt

Ankunft in Frankfurt war nahezu pünktlich und nach einem kurzen Schreckmoment, als ich am Bahnsteig bemerkte, dass mein Handgepäck noch am Gepäckband stand, ich es aber noch abholen konnte, nahm ich den Zug nach Dresden und bin zuversichtlich, am folgenden Tag dann auch wieder nach Bayreuth zu gelangen.

Fazit

Nach einem müden Beginn "nach Vorschrift", den nur die Sehenswürdigkeiten retteten, nahm die Reise in Vancouver durch die Ablösung des ersten durch den zweiten dortigen Reiseleiter eine Wende hin zur Einmaligkeit. Einen derart engagierten und motivierten Reiseleiter, der sich nur grundsätzlich am Programm des Veranstalters orientierte, weil er sich viiiiel besser auskenne, weil er den Job schon sooo lange macht, weil wir von der "Deutschen Botschaft" waren und weil er einfach "The best Tour Guide on Earth" ist, habe ich bisher noch nie erlebt und werde ich wohl auch nie wieder erleben. Und als wäre das des Guten noch nicht genug, hatten wir ungewöhnlich gutes und mildes Wetter und zum Ende der Reise hin wunderschön gefärbte Bäume im Indian Summer. Lediglich am "Fly over Canada" Tag regnete es ein bisschen, ohne jedoch, dass dies das Urlaubserlebnis auch nur ansatzweise trübte. Alles in Allem also ein einmaliger Urlaub – unvergesslich und – entgegen meiner ursprünglichen Befürchtung – trotz oder wegen einer gewissen und unumgänglichen Oberflächlichkeit empfehlenswert. Und ich habe ein paar nette Leute kennen gelernt. Gut, dass nach dem Urlaub erst mal Wochenende, Brücken- und Feiertag anstehen, denn Johnnys Programm war schon recht ambitioniert und fordernd – aber das war gewollt und von der Gruppe akzeptiert und gutgeheißen.

© 2017 by A. Klemm
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