ICH

Reisebericht Radurlaube 2009 - 2013

2009: Ruhrgebiet

Einleitung

Wie im vergangenen Jahr, so hatte ich meinem Patenkind – nunmehr 15 Jahre – auch für 2009 eine gemeinsame Urlaubswoche versprochen. Da er aber erst am Montag der letzten Ferienwoche aus dem gemeinsamen Urlaub mit seinen Eltern heimkehrte, reduzierte sich die Urlaubswoche auf sechs Tage.

Für mich war interessant zu sehen, welchen Einfluss die letzten Eindrücke auf das Gepäck haben. Während ich ein Wochenende vorher mit Regen und Kälte erlebte und schon gar nicht mehr an einen guten Ausgang unserer Urlaubsplanungen – rein wettertechnisch – glauben wollte, demzufolge den Schwerpunkt meines Reisegepäcks auf warme bzw. wasserdichte Sachen legte, packte er sein Gepäck unter den Reiseeindrücken aus Ägypten. Da war an Regen oder Kälte wohl nicht zu denken. Und um es vorweg zu nehmen: Wir lagen im Durchschnitt richtig. Petrus hatte ein Einsehen und bescherte uns für unseren Ausflug wirklich annehmbares Wetter!

08.09.2009: Anreise

Recht zeitig, bereits gegen 7:00 Uhr startete ich am Dienstag, 8. September in Bayreuth – ohne gefrühstückt zu haben – in einem zur Hälfte bepackten Wagen in Richtung meines Patenkindes. Dort wurde ich bereits mit einem gedeckten Frühstückstisch erwartet. Nachdem wir gegessen und den Rest des Wagens gepackt hatten, unsere beiden Fahrräder verzurrt waren, ging's los. Wir begaben uns ab ca. 9:30 Uhr auf die gut 500 km lange Strecke nach Essen an den Baldeneysee. Die Fahrt verlief ohne erwähnenswerte Vorkommnisse und wir waren gut 6,5 Stunden später am Ziel. Das Zelt war schnell aufgebaut, so dass wir – nach der langen und eher ermüdenden Fahrt – noch die Gelegenheit nutzten, mit den Rädern einen kurzen Abstecher in die nähere Umgebung zu unternehmen. Von einer, auf einer kleinen Anhöhe innerhalb eines Golfplatzes errichteten Aussichtsplattform, hatten wir unseren ersten Blick auf die typische Ruhrgebietskulisse: Rauchende und dampfende Schlote am Horizont. Und während ich mich nach unserer Rückkehr zum Zeltplatz meinem Buch widmete, entschloss sich mein Patenkind, weitere 15 km unter seine Räder zu bringen und umrundete den Baldeneysee ein erstes Mal. Nach dem Abendessen wurde noch kurz gepokert und dann ging's ab in die Federn. Die Übernachtung hier schlug übrigens mit 14,35 Euro für beide zu Buche.

09.09.2009: Essen

Gegen 8:00 Uhr sind wir am Mittwoch, 9. September, aufgestanden und haben gefrühstückt. Leider gab's am Zeltplatz keine Brötchenversorgung, so dass wir von unseren Vorräten zehren mussten. Wir haben das Zelt abgebaut – schließlich sollte es am Nachmittag noch weiter gehen. Aber vorher wollten wir Essen noch erkunden. Mein Patenkind hatte bei seiner Seeumrundung am Vortag bereits gesehen, dass es bis zum Stadtzentrum nur ca. 7 km sind. Noch mal ungefähr 7 km weiter lag dann unser Ziel: Kokerei und Zeche Zollverein XII. Die Radwege sind gut ausgeschildert. Einzige Herausforderung ist, immer die passenden Schilder zu finden. Verfehlt man mal eins, hat man sich ruck zuck verfahren. Da wir uns jedoch in einer Stadt aufhielten, gab's immer wieder ausreichend Alternativrouten. Schließlich haben wir unser Ziel gefunden und uns ein wenig von außen umgeschaut. Soweit es ging, haben wir auch sowohl in der Kokerei als auch im Zechengelände einen Blick hineingewagt. Allerdings war keine Zeit, um noch ein paar Stunden bis zur nächsten Führung zu warten. So erfuhr ich noch, dass es nicht nur Showzwecken dient, wenn sich die großen Räder auf den Türmen drehen. Nein, die Zechen sind zum Teil noch aktiv. Man betreibt mehr als 1.000 m unter Tage Wasserhaltung, damit weder Zollverein noch andere, benachbarte Zechen voll Wasser laufen.

Den Rückweg haben wir etwas besser gefunden. Er sollte uns noch an der Villa Hügel, einst Residenz der Familie Krupp, vorbeiführen. Leider war für dieses herrliche Anwesen – zu besichtigen für 3,50 Euro pro Person – nicht so viel Zeit, wie man sich eigentlich nehmen sollte. Die Villa, es sind zwei Häuser, ist umgeben von einem herrlichen, weitläufigen Park, gut gepflegt und eine wirkliche Einladung zum Verweilen. Wir haben nur einen kurzen Blick in die beiden Villen geworfen. Leider konnte man im großen Haus, wo's wirklich prunkvoll war, keine Fotos machen. So kann ich jedem, der das liest, nur empfehlen, sich selber ein Bild zu machen.

Die Villa liegt direkt am Baldeneysee, so dass wir nach ihrer Besichtigung recht schnell wieder auf unserer Runde um den See waren. Die haben wir abgeschlossen, die Räder aufgeladen und weiter ging's Richtung Duisburg zum Zeltplatz am Entenfang. Hier sollte uns jede Übernachtung 16,50 Euro kosten. Zudem war der Zeltplatz umgeben von Auto- und Eisenbahn, so dass nahezu keine Ruhe einkehrte und es sehr früh bereits sehr laut war. Kein wirklich guter Platz, um zu schlafen.

10.09.2009: Duisburg

So waren wir am nächsten Morgen, dem Morgen des Donnerstag, 10. September, recht zeitig wach. War auch besser so, denn es stand eine Hafenrundfahrt in Duisburg auf dem Programm. Die sollte 11:00 Uhr beginnen. An dem Morgen war es recht frisch. Zudem kam der eine oder andere Nieselschauer vom Himmel. Dennoch konnten wir große Teile der interessant kommentierten Rundfahrt auf dem Außendeck genießen. Es war erstaunlich, wie viele Passagiere an Bord waren, bedenkt man, dass im Rheinland keine Schulferien mehr waren und wir an einem Donnerstag unterwegs waren. Gegen 13:00 Uhr gingen wir von Bord, und haben uns auf den Weg zum Landschaftspark Duisburg Nord begeben. Davon haben wir erst auf dem Schiff gelesen, es für interessant und sehenswert befunden und es kurz entschlossen in unser Programm aufgenommen. Der Abstecher hat sich gelohnt. Es ist ein sehenswerter Ort auf dem Gelände eines ehemaligen Hüttenwerkes. Herauszuheben ist der zu besteigende fünfte Hochofen. Stück für Stück kommt man seiner Einfüllöffnung näher, bekommt die einzelnen Schritte der Stahlschmelze auf Schildern erklärt und der Ausblick über die einmalige Industriekulisse des Ruhrgebiets aber auch über den Landschaftspark wird von Etage zu Etage beeindruckender. Nachdem wir vom Dach des Hochofens auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt waren, erkundeten wir noch ein klein wenig das Gelände, das teilweise bewusst unter das Motto: "Die Natur erobert sich zurück, was ihr einst genommen." gestellt wurde.

Vom Landschaftspark begaben wir uns auf einen ausgedehnten Rückweg. Den Schildern folgend, gelangten wir über Radwege bzw. wenig befahrene Straßen zum Rhein, überquerten ihn, legten an seinem Ufer ein paar Kilometer zurück, sahen dabei noch ein Auto in Flammen aufgehen. War schon erschreckend anzusehen, wie sich aus einer kleinen Flamme am rechten Vorderrad innerhalb nur weniger Minuten ein, das gesamte Auto in Beschlag nehmender Brand entwickelte und wie lange es dauerte, bis Polizei und Feuerwehr eintrafen. Die Feuerwehr konnte vom Fahrzeug wohl nichts mehr wirklich retten.

Nach einem erfüllten Tag kehrten wir gegen 19:00 Uhr zum Zeltplatz zurück, haben fix etwas zu Abend gegessen, ein bisschen gepokert und uns dann zu Bett begeben, wieder inmitten von Eisen- und Autobahn – aber das letzte Mal.

11.09.2009: Radtour bei Duisburg

Auf dem Programm für den Freitag, 11. September, stand eine Radtour, eine Empfehlung unserer Radwanderkarte. Für ca. 45 km führte uns die Tour Nummer 16 auf einem teilweise recht hügeligen Rundkurs von unserem Zeltplatz über Ratingen und Heiligenhaus, durchs Angertal und über Essen-Kettwig wieder zurück zum Zeltplatz bzw. zu dem dort geparkten Auto, denn das Zelt hatten wir morgens schon eingepackt. Neben vielen schönen Eindrücken von der Strecke bleibt wohl auch ein Erlebnis an einer geschlossenen Schranke in Erinnerung. Die wurde nur auf Zuruf geöffnet. An beiden Seiten des Bahnüberganges war eine Sprechsäule, man läutete, es meldete sich eine Stimme, man bat darum, die Schranke zu öffnen und nachdem man die Gleise überquert hatte, informierte man 'die Stimme' darüber, dass der Bahnübergang wieder geschlossen werden kann (oder aber, was bei uns nicht der Fall war, dass weitere Querungswillige kämen).

Nach unserer Rückkehr blieb nur, die Fahrräder aufzuladen und wir brachen zur letzten kurzen Autoetappe Richtung Bergisches Land auf. Dabei führte uns unser Weg durch Wuppertal, das ich – natürlich neben dem Ortseingansschild – sofort anhand der Schwebebahn erkannte. War schon ein einprägsames Erlebnis, an einer Ampel zu stehen und vor einem schwebt an martialischen Stahlstützen eine Bahn in luftiger Höhe. Noch imposanter ist's, wenn man eine Straße unterhalb der Schwebebahnstrecke inmitten jener Stützen fährt – auch das muss man gesehen haben!

Der Zeltplatz war die Idylle schlechthin! Der Name Wiesengrund versprach nicht zu viel. Wirklich schön ruhig gelegen bot er das, was Erholungssuchende erwarten – und das alles für 15 Euro die Nacht.

12.09.2009: Radtour im Bergischen Land

Für Samstag, 12. September, war erneut eine Radtour geplant – allerdings mussten wir erst mal ein Stück mit dem Auto zum Ausgangspunkt fahren. Tour Nummer 19 war in der Fahrradkarte mit ca. 42 km angegeben. Die Beschreibung las sich viel versprechend: "Eine Bergische Rundtour entlang Deutschlands fleißigsten Flusses (Wassermühlen). ... ruhige Wege entlang des Murbach und der Wupper." Na, wenn das so ist, dann geht's mal ab über die Wupper – und das gleich mehrmals an diesem Tage. Die Fahrradkarte hat nicht zu viel versprochen – auch was das Bergige betrifft. Ganz unangenehm, wenn man dann auch noch das eine oder andere Weg weisende Schild nicht findet und sich vergeblich Steigungen von bis zu 20 % hinaufquält nur um oben festzustellen, dass es doch nicht der Weg ist, den man fahren wollte. Und so sind aus den geplanten 42 km am Ende des Tages bestimmt knapp 50 km geworden. Erwähnenswert von dieser Radtour vielleicht noch die Vorbereitungen zum Wupperflößen, deren Zeuge wir wurden. Am folgenden Sonntag sollten dann offensichtlich viele tollkühne Männer und Frauen auf schwimmenden Kisten über die Wupper flößen. Die meisten Flöße ließen sich mit Muskelkraft und über einen Steg ins Wasser befördern. Den Vogel aber hat ein Floß abgeschossen, das auf einem Lastwagen antransportiert und mit bordeigenem Kran von einer Brücke in den Fluss gehoben wurde. Fast zum Abschluss der Tour galt es noch einmal einen heftigen Anstieg zu meistern. Oben angelangt konnten wir ein schönes Schloss, Schloss Burg, ansehen und was wir wollten 'auf die lange Bank' schieben, denn oben auf Schloss Burg wurde knapp ein Jahr zuvor eine 22,22 m lange Naturstammbank (aus einem Stück) mit Lehne aufgestellt.

Zum Abschluss der Tour umrundeten wir fast noch die gesamte Sengbachtalsperre. Am Ziel der Tour, jedenfalls in Hilgen, wo das Auto auf uns wartete, gab's dann noch ein großes Ziel-Eis – das hatten wir uns verdient.

Und als mein Patenkind nach unserer Rückkehr zum Zeltplatz vom Duschen zurückkam, meinte er, wir könnten doch mal zu einer Pizzeria fahren, um den Abschluss des Urlaubs würdig zu begehen. Das fand ich schon eine überraschende Äußerung, ist er doch gewöhnlich recht zurückhaltend. Aber ich hatte mir bereits ähnliche Gedanken gemacht und am Tag zuvor in Fußwegentfernung vom Zelt ein nettes Restaurant ausgesucht. Dort gingen wir dann tatsächlich hin, hatten ein Kölsch (oder auch zwei, drei...), ein gutes Essen und die Gelegenheit, die bisher noch ausstehenden Urlaubskarten zu schreiben und vor der Haustüre auch noch einzustecken. Das Essen war reichlich und gut und tatsächlich der gewünscht schöne Abschluss des Urlaubs.

13.09.2009: Köln

Als wir am Sonntag, 13. September, morgens aufwachten, tröpfelte es. Die ganze Luft voller Niesel, kein wirklich schönes Wetter, um noch einen Ausflug zu wagen. Aber auf dem Programm stand das eigentliche Highlight des Urlaubs – jedenfalls dachte ich im Vorfeld so: Köln mit Dombesteigung. Beim Bezahlen des Zeltplatzes erkundigte ich mich nach dem Wetter, für den Nachmittag wurde besseres in Aussicht gestellt aber das gröbste sei vorbei. Beim Frühstück beratschlagten wir weiter und entschieden, das geplante Programm durchzuziehen.

Gesagt, getan: Erst mal das nasse Zelt abbauen und einpacken – muss es eben im Keller trocknen. Zügig kamen wir nach Köln und fanden einen Parkplatz im Parkhaus des Kölner Zoos. Mit den Rädern waren wir sehr schnell auf der Domplatte und konnten uns der Turmbesteigung widmen. Wir hatten Glück mit der Zeit und konnten uns, oben angekommen, ausreichend Zeit lassen, die Aussicht zu genießen. Nach einem kurzen Spaziergang durch eine Kölner Einkaufspassage, einem Abstecher zum Schokoladenmuseum, einer Rheinquerung über die Deutzer Brücke, einer kurzen Fahrt rechtsrheinisch querten wir den Rhein über die markante Hohenzollern Brücke zurück. Interessantes Detail am Rande: Entlang des Fußweges über die Brücke trennt ein Zaun den Fußweg von den Bahnanlagen und es ist wohl zu einer Tradition geworden, dort gravierte Schlösser anzuschließen. Ist ein ungewöhnliches Bild, das sich einem da bietet.

Die Rückfahrt ins Fränkische verlief reibungslos aber zum Großteil durch mehr oder weniger starken Regen. So gesehen hatten wir dann doch enormes Glück mit dem Wetter!

Fazit

Das Ruhrgebiet – auch wenn man's nicht für möglich hält – ist ein abwechslungsreiches Reiseziel, das bei entsprechendem Wetter viele Möglichkeiten auch für mehr als eine Woche bereithält.

2011: Bayrische Seen

01. / 02.08.2011: Urlaubsbeginn

Wie gewöhnlich habe ich Pascale abgeholt und wir verbrachten noch einen schönen Abend, bevor wir uns am 02.08.2011 über Bayreuth in Richtung München begaben. Wir suchten uns in München einen Parkplatz etwas außerhalb und stiegen auf die Räder, um die Münchner Innenstadt mit Ihren Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Wir besichtigten Marienplatz und Rathaus, die Frauenkirche von innen und bestiegen ihren Turm. Von oben hat man einen schönen Blick über die Innenstadt bis hinaus zur Allianzarena. Am Stachus genehmigten wir uns ein Eis, ehe dann unsere Parkzeit abzulaufen drohte. Leider entwich kurz vor dem Ziel noch die Luft aus meinem Hinterrad, so dass ich das letzte Stück schieben musste und ein Rad mit Plattfuß aufschnallte.

Am Zeltplatz "Am Isarhorn" angekommen haben wir erst das Zelt aufgeschlagen und dann den wiederum zerschlissenen Schlauch meines Hinterrades gewechselt.

03.08.2011: Königsetappe

Wir entschieden uns heute für die Königsetappe. Sie sollte uns (planmäßig) über mehr als 75 km durch das Karwendelgebirge führen. Ganz am Anfang der Tour stand ein 500-Höhenmeter-Anstieg zur Vereinsalm, die wir nach ca. 2 Stunden erreichten. Von dort ging's bergab. Wir mussten die Räder einmal durch einen Fluss tragen. Planmäßig erreichten wir Hinterriß (in Österreich – dass wir eine Grenze überquerten, ist uns nicht aufgefallen). Leider musste ich in Hinterriß gleich zwei Schläuche wechseln; der aktuelle hat aber jetzt schon eine Zeit gehalten. Ein kurzes Stück ging's dann entlang einer (für Radfahrer freien) Mautstraße, ehe wir wieder abbogen ins Karwendelgebirge. Steil und lang ging's dann bergauf zur Karwendel Hütte. Mitten im Aufstieg wurden wir vom Wetter überrascht und wir hatten nichts zum Wechseln dabei. In Strömen ergoss sich der regen über uns, ein Gewitter tobte und wir waren bis auf die Knochen durchweicht. Zu allem Überfluss mussten wir auch noch ein gutes Stück des Aufstieges schieben, weil wir uns für eine Wanderer-Route entschieden hatten. Völlig durchnässt erreichten wir die Karwendel Hütte und entledigten uns soweit es möglich war unserer nassen Sachen, um sie wenigstens ein bisschen zu trocknen. Wir nahmen ein warmes Getränk, Pascale aß einen Germknödel und wir wärmten uns ein wenig auf, denn lange konnten wir nicht bleiben, wir hatten noch ein gutes Stück Weg vor uns – glücklicherweise zumeist bergab. Und so begaben wir uns wieder in die nasse Kälte, sattelten die Räder und fuhren durch nach wie vor verregnete Landschaft über Scharnitz mit hohem Tempo zurück zum Zeltplatz am Isarhorn. Diesen Abschnitt der Tour brachten wir recht zügig hinter uns, wartete doch am Ende eine warme Dusche und trockene Kleidung. Den verregneten Abend ließen wir mit einem Bierchen in der Zeltplatzalm ausklingen – es hatte sich eingeregnet.

04.08.2011: Wetter-Notprogramm

Auch über Nacht ließ der Regen nicht wirklich nach und mich nicht schlafen. Es regnete vor dem Waschen, nach dem Waschen, vor dem Frühstück, nach dem Frühstück und es wurde später und später, ohne dass wirklich Wetterbesserung in Sicht gewesen wäre. So haben wir das Auto fahrbereit gemacht und sind zum Walchenseekraftwerk gefahren. Das haben wir uns angesehen und das Wetter besserte sich. Nach einem kurzen Spaziergang zum Kochelsee fuhren wir zurück zum Walchensee, sind dort ein wenig am Ufer entlang spaziert, ehe wir bei herrlichem Sonnenschein zurück zum Zeltplatz fuhren. Um wenigstens noch ein bisschen Rad zu fahren, haben wir uns zum Einkaufen nach Mittenwald begeben. Schläuche fürs Fahrrad und ein paar Nahrungsmittel standen auf dem Einkaufszettel. Dabei haben wir gleich noch feststellen dürfen, was für ein beschauliches Örtchen Mittenwald doch ist – sehr sehenswert! Den Tag ließen wir bei einer Runde Poker in der Alm ausklingen.

05.08.2011: Forgenseeumrundung

Über Nacht hatte es sich wieder eingeregnet. Wir standen auf, frühstückten und mussten ein nasses Zelt packen. Dennoch fuhren wir erst mal in Richtung Ausgangspunkt unserer für diesen Tag geplanten Tour um den Forgensee. Dort angekommen zogen wir uns regendicht an und mussten feststellen, dass der Regen während der Ankleideprozedur aufgehört hatte. Also wieder raus aus den Klamotten und rauf aufs Rad. Wir umrundeten den Forgensee entgegen dem Urzeigersinn und erreichten um die Mittagszeit Füssen. Dort vertraten wir uns ein wenig die Füße, rasteten kurz und suchten dann den Weg zu den Königschlössern, zunächst Hohenschwangau. Wir besichtigten die öffentlich zugänglichen Teile des Schlosses und begaben uns weiter zu Neuschwanstein, nein, noch nicht. Erst ging's zur Marienbrücke, von der aus man den schönen Blick hinüber zum Schloss und hinunter in die Schlucht hat. Während wir kurze Zeit später im Schloss waren – auch hier nur an den öffentlich zugänglichen Stellen – kamen ein paar Tropfen vom Himmel, nicht genug, um uns zum Umziehen zu bewegen – zum Glück! Unsere Seeumrundung war dann schnell geschafft, wir packten die Räder auf's Auto und weiter ging's nach Dießen an den Ammersee. Der Zeltplatz ist recht nett am Ufer gelegen und ich ließ es mir nicht nehmen, vor dem Duschen noch einen Sprung in den See zu machen. Abends noch ein Bierchen in der Zeltplatzwirtschaft, ein recht nobles Restaurant und wir legten uns schlafen.

06.08.2011: Rund um den Hohenpeißenberg

In der Nacht gab es wieder einen Wolkenbruch, der nichts Gutes erahnen ließ aber morgens zum Aufstehen war der Spuk vorbei, bayrischer Himmel begrüßte uns und wir konnten ganz entspannt dem Tagesprogramm entgegensehen. Da eine – vermutet – recht lange Runde auf dem Programm stand, ließen wir keine Zeit ungenutzt verstreichen, sattelten zügig die Räder und begaben uns auf die Tour. Wir erreichten unseren Rundweg erst nach 15 km Zufahrt, umrundeten dann doch recht zügig, unterbrochen nur von kleineren Picknicks, den Peißenberg und kehrten recht früh am Nachmittag nach Dießen zurück. Da blieb etwas Zeit für ein leckeres Eis und einen entspannten Nachmittag am Ufer des Ammersees, Zeit auch, ein paar Urlaubskarten zu schreiben. Abends brachen wir noch einmal zum "Volksfest" nach Dießen auf. Die Fahrgeschäfte lagen brach, nur das Festzelt barst aus allen Nähten. Wir gönnten uns jeder eine Maß, mein Patenkind Radler, ich richtiges Bier. Unser kurzer Spaziergang zum Seeufer ward unterbrochen von orange blinkenden Lichtern allenthalben am Seeufer. Diese Signale bedeuteten Sturmwarnung. Der Himmel ließ auch nichts Gutes erahnen, so dass wir uns schnell zurück zum Zelt begaben. Dennoch wurden wir beim letzten Gang ins Zelt vom aufziehenden Regen durchnässt. Und wieder begann eine Nacht mit dem Trommeln des Regens auf dem Zeltdach, das hoffentlich dichthält.

07.08.2011: Zwischen Landsberg und Ammersee

Regen, Regen, nichts als Regen. Der Boden durchweicht, das Zelt nass, ungemütlich und – weil Sonntag – auch keine frischen Brötchen, sondern die vom Vortag. Das Frühstück nahmen wir unter dem Vordach des Zeltes und den Vormittag verbrachten wir lesend im Empfangsbereich des Zeltplatzes – man sitzt dort sehr bequem. Auch zum Mittag hin war keine Wetterbesserung in Sicht. Dennoch musste ich etwas tun! Ich schaute mir noch mal die Radwanderkarte an und fand eine 60-km-Runde, die ich noch gut in der verbleibenden Zeit absolvieren konnte. Mein Patenkind verspürte keine Lust, sich bei dem Wetter auf's Rad zu setzen. Ich aber zog mir meine Regensachen an – ein echter Härtetest für die Sachen. Bei Dauerregen brach ich auf, verfehlte ein-, zweimal den richtigen Weg, verfuhr mich aber nicht richtig weit, erreichte nach einer guten Zeit und endlich auch ohne Regen über Dettenhofen Landsberg und musste feststellen, dass auch die Regensachen nicht komplett dicht waren. Noch weiß ich nicht, wie es dazu kam, dass mein Pullover völlig durchnässt war. Aber das ließ sich nicht ändern. Ich schoss ein paar Fotos in Landsberg, picknickte kurz im Schatten der Kirche und fuhr weiter über Penzing, Ramsach und Pflaumdorf nach Eching, wo ich das Westufer des Ammersees erreichte. Nun waren's nur noch gut 15 km zurück zum Zelt und das Wetter hielt – zum Glück. Ein letztes Picknick am See und ich war zurück. Am Zeltplatz angekommen entledigte ich mich erst mal all meiner durchnässten Sachen, schlüpfte in die Badehose um auch am dritten Tag unseres Aufenthaltes am Ammersee in ihm zu baden – wenngleich dies der ungemütlichste Badeaufenthalt war und ich die anschließende warme Dusche mehr genießen konnte. Danach blieb noch etwas Zeit für meinen Reisebericht und mein Buch. Den Abend und damit auch den "Sommer"-Radurlaub ließen wir bei einem guten Abendessen im Restaurant des Zeltplatzes ausklingen. An eine Verlängerung, die unter Umständen zur Debatte gestanden hätte, um die im vergangenen Jahr ins Wasser gefallene Tour nachzuholen, war wetterbedingt nicht zu denken.

08.08.2011: Rückfahrt

Am Morgen bauten wir nach dem Frühstück unser nasses Zelt ab, behoben noch einen Platten an meinem Fahrrad – es war dann wohl der vierte Schlauch, den ich in diesem Urlaub verbraucht habe – packten das Auto und fuhren über Ingolstadt Village zurück. Unterm Strich sind wir doch recht viel Fahrrad gefahren, drei der geplanten fünf Touren konnten wir absolvieren, wenngleich den einen oder anderen Abschnitt durch teils strömenden Regen. Ich selbst habe auch noch eine vierte Tour absolviert und hoffe nur, dass mein nächster Fahrradurlaub weniger durch das Wetter als durch die Touren in Erinnerung bleibt.

2012: Schwarzwald

So. 08.07.2012: Anreise: Bayreuth – Sigmundsgrün – Hopfau – Freudenstadt

Die ca. 400 km Anreise nach Hopfau zum Ausgangspunkt unserer ersten Tour verliefen problemlos. Wir haben zwei kurze Pausen eingelegt, die erste, um das Dach vom Auto für die Autobahnfahrt zu schließen, die zweite, um es ca. 350 km später wieder zu öffnen. In Hopfau angekommen, suchten wir uns einen Parkplatz und brachen zur ersten Tour auf.

Vorbereitet, d. h. ausgesucht hatte ich den Radtour-Vorschlag #9 aus der ADFC-Radkarte Schwarzwald: "Unterwegs an Neckar und Glatt".

Von Hopfau fuhren wir über Neckarhausen und Fischingen (die Burgruine Wehrstein ließen wir am Wegesrand liegen) nach Sulz. Dort gab es auch einen Abstecher zu einer Burgruine und wir bekamen beim Hinweg zur Ruine einen ersten Vorgeschmack auf Trails, das sind eher Wanderwege (wenn überhaupt). Mit dem Mountainbike geht's über Stock und Stein (besser Berg ab als Berg auf). Wieder zurück vom kurzen Fotostopp ging's weiter von Sulz am Neckar entlang des Neckars nach Aistaig.

Aus dem Neckartal ansteigend geht es nach Hochmössingen, dem höchsten Punkt der Tour. Der Anstieg bis nach Hochmössingen betrug ca. 250 m. Danach radelt es sich wunderbar Berg ab ins Glatttal Richtung wieder zurück nach Hopfau. Wir haben die Tour gut gefunden und so standen am Ende des Tages gut 45 km auf dem Tracker.

Nach der Tour fuhren wir nach Lauterbad bei Freudenstadt und checkten im Hotel ein.

Mo. 09.07.2012: Kilometer-Königsetappe

Zu gewöhnlicher Zeit ging's raus. Frühstück im Hotel ist gut und gut gestärkt setzten wir uns auf die Räder, um – von den Kilometern her – die Königsetappe in Angriff zu nehmen.

Wir folgten dem Radtour-Vorschlag #8: "Große Runde entlang der Nagold und nach Horb"

Zunächst galt es den Einstieg in die Runde zu finden. Nach einiger Zeit und zum Teil recht viel befahrenen Straßen erreichten wir ihn in Dornstetten Über die Stadt Horb am Neckar führt die Tour nach Nagold. In Nagold sollte es eigentlich hauptsächlich auf ruhigen Strecken entlang des gleichnamigen Flusses (Nagold) durch die Landschaft gehen. Aber auch hier haben wir etwas von der Tour verpasst, so dass wir erst in Altensteig wieder dem Tourenvorschlag folgen konnten. Das zur Besichtigung empfohlene „Alte Schloss" ließen wir aus. Und auch den als "prima Badestelle" angepriesenen Vorsee der Nagoldtalsperre ließen wir links liegen. Die Nagold Talsperre liegt direkt auf dem Weg nach Igelsberg. Kurz vor Freudenstadt, bei 90,7 km war der Handy Akku leer und der Tracker beendete die Aufzeichnung. Der Rückweg zum Hotel war schnell gefunden und wir denken, am Ende des Tages standen gut 100 km auf der Uhr, also geringfügig mehr, als die ca. 84 km in der ADFC-Karte.

Di. 10.07.2012: Trail, Trail, Trail

Die für den Dienstag vorgesehene Runde hatte es auch schon von der Papierform in sich. Zwar folgten wir keinem direkten Tourenvorschlag. Aber die Optik der Streckenführung ließ einiges erwarten. Von Lauterbad suchten wir uns zunächst einen Weg nach Knibis. Den haben wir aber auch gut gefunden, wir wären auch schön dort angekommen, hätten uns nicht Baumfällarbeiten den Weg versperrt. So blieb uns nur der Weg über die Straße. Von Knibis suchten wir uns einen Weg ins Wolftal. Dem folgten wir bis kurz hinter Schapbach. Dort fanden wir auch den geplanten Aufstieg auf den Berg, fanden aber nicht dessen Ende, verfuhren uns erst zu einer schönen Aussicht, schossen dort ein paar Fotos, fanden wieder nicht den Aufstieg zum Berg, sind im Gegenteil fast wieder runter ins Tal gefahren, mussten umkehren und den Aufstieg erneut in Angriff nehmen. Haben wieder den eigentlich geplanten Weg nicht gefunden (besch*** Ausschilderung!!!) und haben uns dann in Anbetracht der Zeit und der zur Neige gehenden Verpflegung für den direkten Rückweg entschieden. Der aber führte uns über recht lange Strecken entlang von Trails, so dass wir nicht wie geplant vorwärtskamen.

Mit nahezu erschöpftem Proviant erreichten wir Zwieselberg und dort bekamen wir im ersten Lokal, das auf dem Weg lag ein wenig Nachschub für unsere Getränke. Gut gestärkt konnten wir dann die restlichen Kilometer zum Hotel in Angriff nehmen und waren erst gegen 19:00 Uhr angekommen. Wir waren ganz schön geschafft, wegen der Distanz, der Dauer und der Höhendifferenz: Knapp 80 km, gut 9 Stunden (Pausen aber nicht abgezogen), und mehrere tausend Höhenmeter. Dafür gab's am Abend noch mal einen schönen Stopp beim örtlichen Brauhaus in Freudenstadt. Wie schon zwei Tage zuvor hat uns Speis und Trank wohl gemundet und nach den Plagen des Tages gutgetan.

Am Abend fing's dann noch kräftig zu regnen an. Hoffentlich gibt sich das bis zum folgenden Tag wieder...

Mi. 11.07.2012: Schwarzwaldhochstraße und Frankreich

Wie geplant, sind wir heute aus Lauterbad bei Freudenstadt abgereist und haben uns in Richtung Sasbachwalden auf den Weg gemacht. Das Navi führte uns über die schöne Schwarzwald-Hochstraße mit einer schönen Aussicht und nach knapp einer Stunde waren wir bei Bühl angelangt, dem Ausgangspunkt unserer vorletzten Tour. Es stand eine Flachetappe auf dem Plan mit einem kurzen Abstecher nach Frankreich:

Radtour-Vorschlag #3: Radeln zwischen Rhein und Reben

Von der Zwetschgenstadt Bühl erstreckt sich nach Westen ebenes Radlerland bis zum Rhein und weiter ins Elsass. Gut ausgebaute und ebene Radwege machen das Radeln in der Rheinebene zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Tour beginnt von Bühl aus vorbei an Obstwiesen und kleinen Dörfern und dem imposanten Schwarzacher Münster. Dort – wir haben ja schließlich Urlaub – haben wir erst mal einen Fotostopp eingelegt. Es ist wirklich ein imposantes Münster. Danach setzten wir unsere Fahrt fort und gelangten zur Rheinfähre Greffern. Mit ihr überquerten wir, völlig unentgeltlich, die deutsch-französische Grenze und gelangten hinüber ins Elsass. Ab hier führte uns die Veloroute Rhein über die elsässischen Dörfer Herrlisheim und Offendorf zur Rheinbrücke Gambsheim – Rheinau mit Staustufe und Fischtreppe. Letztere haben wir uns etwas näher angeschaut, bevor wir unsere Fahrt fortsetzten. Weite freie Sicht und Fachwerkcharakter bietet die Strecke nach Helmlingen und Scherzheim. Vorbei ging es an Wäldern und Aussiedlerhöfen mit herrlicher Sicht auf den Schwarzwald und die Bühler Rebberge. So gelangten wir nach zügiger Fahrt zurück nach Bühl, setzten uns ins geöffnete Auto und fuhren nach Sasbachswalde in den Spinnerhof. Obwohl die Rezeption nicht mehr besetzt war, konnten wir unser Zimmer – do it yourself – schnell und komplikationslos beziehen. Es hat einen herrlichen Talblick und wir sehen vom Bett aus einen schönen Sonnenuntergang.

Die 60 km des heutigen Tages waren vom Terrain her nicht ganz so anstrengend – da werden uns morgen wohl anspruchsvollere Kilometer bevorstehen. Aber gut und positiv anstrengend war die Tour trotzdem.

Do. 12.07.2012: Berg ab – Berg auf

Unser neues Domizil, der Spinnerhof, liegt ganz nah der Schwarzwald Hochstraße, also ziemlich auf der Höhe. Heißt für Radler: Morgens bergab (gut) aber abends bergauf (nicht so gut). Den Anstieg haben wir tags zuvor schon mal mit dem Auto bewältigt. Er flößt gehörig Respekt ein. Insofern ist zu erklären, warum ich etwas unruhig schlief und sich mein Patenkind Regen wünschte.

Aber Petrus hat wirklich mal ein paar seiner besseren Tage erwischt. Ganz im Gegensatz zu unseren bisherigen Ausflügen blieben die Regensachen in diesen fünf Tagen immer im Gepäck, wir hatten keinen Bedarf. Im Gegenteil. Am ersten Tag hatte ich mir den Sonnenschutz nicht sorgfältig genug aufgetragen und mir einen kräftigen Sonnenbrand an der Wade geholt. Naja, geht wieder vorbei.

Gut gestärkt mit einem herzhaften Frühstück ging es halb Zehn auf die Piste. An diesem Tag sollte es Radtour-Vorschlag #5 sein: "Kirschblütentour". Naja, die Kirsch- und anderen Obstbäume am Wegesrand hatten ihre Blüte lange hinter sich, trugen schon Früchte, die in absehbarer Zeit in den zahlreichen Brennereien entlang des Weges zu Edlerem vergoren bzw. destilliert werden. Dennoch war es ein schöner Weg. Das Wetter war ideal zum Radeln und so machten sich die Kilometer gar nicht so bemerkbar. Vielleicht aber hatten wir uns in den letzten Tagen auch gut an diese Belastung gewöhnt.

Die auf überwiegend asphaltierten Wegen verlaufende Rundtour beginnt in Achern. Dort aber mussten wir erst mal hin, heißt, ca. 8 Kilometer von unserer Bleibe ins Tal. Das war ein einfacher Beginn. Von Achern aus führt uns die Route in die nördliche Ortenau. Die empfohlene Einkehr im urigen Ulmer Braustüble holen wir am Abend nach, mit dem Fahrrad jedenfalls fahren wir erst mal vorbei. Die Route bis Offenburg durch die hügelige Landschaft der nördlichen Ortenau war mit einigen Anstiegen bespickt. Nach den anstrengenden Hügeln diente der Rückweg auf ebenen Wegen der Erholung. Hier aber haben wir noch, der Beschilderung folgend, einen kleinen Umweg genommen, schön geführt über Deiche und Hochwasserschutzwälle, diesmal nicht asphaltiert, sondern entweder geschottert oder auf Rasen. Aber wir fahren ja geländegängige Bikes.

Und so wurden mit An- und Abfahrt und unseren Umwegen aus den im Tourenvorschlag angegebenen ca. 60 km gut 90!

Fazit für diesen Urlaub: Fünf Touren an fünf trockenen, überwiegend sehr sonnigen Tagen mit insgesamt 375 km und mehr als 28 Stunden auf dem Rad. Und für alle, die sich daraus ein sehr niedriges Stundenmittel ausrechnen: Wir hatten doch URLAUB!

Fr. 13.07.2012: Rückfahrt / Metzingen und Stau

Von diesem Tag gibt es nicht viel zu berichten. Nach dem Frühstück ging's wieder zurück Richtung Sigmundsgrün und Bayreuth. Einen geplanten mehrstündigen Zwischenstopp legten wir in der Outlet City in Metzingen ein. Dort kann man sehr leicht sehr viel Geld lassen. Aber was soll's?

Nach dem Shoppingaufenthalt in Metzingen nahmen wir die letzten paar hundert Kilometer des Urlaubs in Angriff, diesmal mit den Rädern auf dem Gepäckträger des Autos über die Autobahn, die an diesem Freitagnachmittag leider voller anderer im Stau stehender Autos war. Und so dauerte die Rückfahrt länger als gedacht.

Gegen 21:00 Uhr gab's dann in Sigmundsgrün lecker gegrilltes Abendessen und unser Radurlaub war zu Ende.

2013: Harz

Mo. 19.08.2013: Anreise, Ballenstedt & "Von Blankenburg nach Quedlinburg"

Die Anfahrt von Sigmundsgrün in den Harz verlief ohne Zwischenfälle. Nach gut drei Stunden erreichten wir Ballenstedt, Ausgangspunkt zweier geplanter Touren. Eine davon sollte es am Eröffnungstag sein. Wir entschieden uns für jene, die in der Karte 'Von Blankenburg nach Quedlinburg' hieß. Allerdings war der Hexentanzplatz in Thale nicht in den 53 veranschlagten km enthalten. Aber wenn man schon mal in Thale ist, darf's auch der Hexentanzplatz sein. Dieser Abstecher bescherte uns einige zusätzliche km und Höhenmeter. Und natürlich ging er auch nicht spurlos an der Radlzeit vorbei. Naja, es war ja noch nicht zu spät und der Abstecher war's wert. Weiter ging's nach Blankenburg, von Blankenburg nach Quedlinburg. Wir haben die Wege sogar recht gut gefunden. Dennoch verging die Zeit wie im Fluge. In Quedlinburg blieb zwar, wenn man vorher nicht auf die Uhr schaut, noch ein wenig Zeit für einen Abstecher in die historische Innenstadt. Aber kurz vor 19:00 Uhr holte uns die Realität ein. Zumindest ein Anruf im Hotel musste fix noch erledigt werden, damit das Zimmer nicht weg ist, wenn wir da sind. Obwohl wir dann auch den Weg zurück zum Parkplatz in Ballenstedt recht gut gefunden haben, sind wir erst gegen 20:00 Uhr losgekommen. Und gut 77 km sind auch eine ordentliche Hausnummer für den ersten Tag. Auf dem Weg ins Hotel stoppten wir kurz bei Mc Donalds am Wegesrand, bevor wir gar nichts mehr zum Abendessen bekommen. Im Hotel aber waren wir nicht die letzten. Wir bezogen unser Zimmer in der vierten Etage, können aus dem Fenster das über Wernigerode thronende Schloss sehen und fallen todmüde in die Betten.

Di. 20.08.2013: "Große Runde durch das Harzvorland"

Die Nacht war erholsam, das Frühstück reichhaltig und eine gute Grundlage für unsere Tour. Die sollte uns über ca. 85 km durchs Harzvorland führen. Von Wernigerode ging's über einen Naturlehrpfad nach Ilsenburg, von dort über Veckenstedt und Wasserleben nach Osterwiek. Von dort querfeldein nach Huy-Neinstedt. Den Abstecher nach Halberstadt ersparten wir uns. Ein Foto des weit entfernten Domes musste reichen. Ab Mahndorf war dann Wernigerode auch wieder ausgeschildert, so dass der Rückweg recht schnell absolviert war. Und weil wir nicht jeden in der Karte empfohlenen Abstecher mitgenommen haben, dennoch eine schöne Tour hatten, sind wir 'nur' auf gut 80 km durch das Harzvorland gekommen. Mehrfach sahen wir dabei unser Ziel für den kommenden Tag, den Brocken.

Mi. 21.08.2013: "Auf den Brocken und wieder runter"

Der Tag sollte es in sich haben. Ausgiebig haben wir uns wieder beim Frühstück gestärkt und die Sachen gepackt. Die Wettervorhersage war recht gut und so sind wir entspannt aber doch unter Kenntnisnahme der Druckspuren vom Fahrradsattel am Hintern aufgebrochen. Der Einstieg war wie am Tage vorher, recht bald aber, noch im Stadtgebiet von Wernigerode trennten sich beide Wege. Wo wir tags zuvor noch entspannt unten blieben, nahmen wir nun unseren ersten Anstieg, hinauf, die ersten 10 km nach Drei Annen Hohne. Von dort war auch Elend gut ausgeschildert. Schirke haben wir dann nicht ganz so nach Plan gefunden. Und von dort auf den Brocken hinauf kann man sich ja nicht mehr verfahren. Sicherheitshalber haben wir uns doch für die asphaltierte Brockenstraße entschieden und wurden nach gut 3 Stunden und gut 30 km vom herrlichen Weitblick auf dem Brocken empfangen. Dort durfte es ein Gipfelbier und eine kleine Stärkung sein. Die Radfahrpause haben wir für einen Spaziergang auf der Brockenkuppe genutzt, ein paar Fotos geschossen, natürlich auch noch mal mit Blick auf die Vortagestour - so gut sie eben zu erkennen war... aus dieser Entfernung. Bereits beim Aufstieg nach ca. 30 km haben wir einen Wegweiser gesehen, der nach Wernigerode nur die Hälfte der Strecke auswies. Wie kann das den sein - fragten wir uns und erkundeten als Rückweg diesen gewiesenen Weg. Der war dann wirklich direkt! Über Stock und Stein, Mensch und Material bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit gefordert... und teilweise darüber hinaus. So blieben uns Schiebepassagen aber auch der eine oder andere unfreiwillige Abstieg vom Rad nicht erspart. Bei einer solch spektakulären Aktion bzw. kurz danach entstand dann auch das wohl kurioseste Foto des Urlaubs (weil wir aber nix haben, was eine Verbindung von der Kamera zu den Apfel-Geräten herstellen kann, dauert dessen Versand noch eine Weile): Ich hangabwärts, mein Fahrrad, nachdem es mich abgeworfen hatte kopfüber in Wurzeln verhakt etwas über mir. Naja, so hinterlässt der Urlaub Spuren. Als ich kurze Zeit später noch einen Stein unsanft rammte, verbog mir das die vordere Bremsscheibe und zu allem Übel musste ich auch noch einmal flicken. Mein Patenkind jammert nur über Kratzer an Bike und Person. Aber ganz ohne unfreiwillige Fußpassagen ging's bei ihm auch nicht ab. Logisch, dass am unteren Ende dieses Weges der Hinweis: 'Wege ab hier sind für Kinderwagen und Fahrräder nicht geeignet.' stand. Aber - wie geschrieben - erst beim Verlassen des Weges in Wernigerode. Nun aber sitzen wir geduscht wieder im Hotelzimmer und hoffen auf zwei entspannendere Touren zum Abschluss.

Do. 22.08.2013: "Durch das Selketal"

Zum Ausgangspunkt der Tour sind wir mit dem Wagen gefahren - nun, nicht ganz bis zum geplanten Ausgangspunkt in Gernrode, denn kurz davor war die Straße gesperrt. Aber für die zwei fehlenden km noch die Umleitung in Kauf nehmen? Nö! Wir waren ja mit den Rädern da. Also hieß es auspacken, umziehen und ... Nun, mein Hinterrad hatte schon wieder merklich an Luftdruck eingebüßt, so dass wir uns vor Beginn der Tour entschieden, zunächst einen neuen Schlauch einzuziehen. Der erste neue Schlauch erschien zu klein, der zweite war direkt schon defekt (nur habe ich das nicht gleich gemerkt). Dann doch wieder den von davor und etwas mehr pumpen... Alles in allem hat uns diese Aktion viel Zeit gekostet. Aber das Selketal war dann schnell und gut gefunden. Zunächst waren die Wege eher nur etwas für unsere Mountainbikes, später wurden sie dann so gut befahrbar, dass wir sie mit zahlreichen, auch älteren, Radlern teilen mussten. Der weitere Weg war schnell gefunden. Er führte uns hinaus aus dem Tal der Selke, nach Membach und über Emsleben nach Ballenstedt, das bereits am Montag Ausgangspunkt unserer Tour war. Dort stand ein kurzer Spaziergang durch den Schlosspark, der uns Montag zuvor wegen der Zeit noch versagt blieb, auf dem Programm. Danach ging's auf bekannten Pfaden zurück zum Auto. Das Ziel-Eis gab's auf dem Weg zurück nach Wernigerode beim bekannten Mc Donalds.

Fr. 23.08.2013: "Rund ums Kyffhäusergebirge und rauf"

Nach dem Frühstück hieß es Sachen packen, Zimmer zahlen und Hotel verlassen. Das Hotel an sich kann ich weiterempfehlen. Die Wettervorhersage für diesen Freitag nicht unbedingt, jedenfalls nicht zum Rad fahren. Die Tour sollte um das Kyffhäusergebirge herumführen mit einem fakultativen Aufstieg zum Denkmal. Allerdings begann es leicht zu tröpfeln, als wir den Wagen in Kelbra Parkten und uns ans Umkleiden begaben. Aber wozu hat man denn Regensachen dabei? Doch nicht nur, um Regen vorzubeugen. Also, auch wenn's nicht schön ist, fuhren wir recht bald in besagten Regensachen. Der Weg um das Gebirge war gut ausgeschildert, zum Glück, denn bei Regen Karte zu studieren ist nicht gerade schön. Bei Ichstedt rasteten wir kurz und beratschlagten, ob wir den Aufstieg zum offensichtlich eingerüsteten Kyffhäuser auf uns nehmen sollten. Beide waren wir der Ansicht, dies lohne wegen des Wetters nicht. Aber während wir uns Tilleda näherten, lies der Regen nach, beide haben wir noch ein wenig nachgedacht und ich habe mich dann entschlossen, den Anstieg aus Trainingsgesichtspunkten doch zu wagen. Mein Patenkind hatte dieselben Gedanken. Allerdings hatte es der Anstieg in sich. Viele Höhenmeter auf wenig Strecke, dazu Wanderweg mit vielen Unebenheiten, fast schon Trail. Ein paar Mal musste ich schieben. Und oben angekommen, bemerkte ich, dass eine meiner Taschen offen war und ich einiges vom Proviant und die Barreserve verloren hatte. Also bin ich zurück gegangen, bis ich mein Patenkind traf, das mir grinsend mit der Frage, ob ich etwas suchen würge, entgegenkam. Er hielt es zunächst für einen Motivationsscherz meinerseits, den Aufstieg mit Corny und Ballisto zu 'pflastern'. Aber als dann auch noch 30 Euro auf dem Weg lagen, dämmerte ihm, dass ich wohl eine offene Tasche mit mir führte, deren Inhalt sich entlang des Weges entlud. Oben am Kyffhäuser angekommen, mussten wir zunächst feststellen, dass man jetzt Eintritt, und nicht zu knapp, nahm. Den für ein eingerüstetes Denkmal auszugeben, ersparten wir uns und suchten (und fanden) den Heimweg. Abschluss dessen sollten 36 Serpentinen hinab nach Kelbra sein. Wäre auch sicher lustig geworden, hätte nicht mein Hinterrad schon wieder Luft gelassen. So musste ich mit schleichendem Plattfuß und zweimaligem Aufpumpen den Weg zum Auto zurücklegen. Es war wie beim Erlkönig: '... erreicht den Wagen mit Müh und Not, das Fahrrad, das ihn trug, war tot.' wir waren noch nicht mal halb umgezogen, da war das Hinterrad schon wieder ganz platt. Naja, es galt nur noch, alles auf- und einzuladen und den Heimweg zu beginnen. Der verlief ebenso reibungslos, wie die Hinfahrt. Und so bleibt doch als Fazit: Ende gut, alles gut. In den 5 Tagen saßen wir deutlich mehr als 24 Stunden auf unseren Rädern und haben weit mehr als 300 km durch den Harz zurückgelegt. Die eine oder andere Schramme an Mensch und Material war der Preis, der dafür zu zahlen war. Aber ich bin der Meinung, es waren fünf schöne, kurzweilige Tage, die vergangen sind, wie im Fluge.

© 2009 - 2013 by A. Klemm
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